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Mutter Courage kommt nach Altenburg

Brechts Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ erlebt am Samstag, 14. Oktober, um 19.30 Uhr seine Altenburger Premiere im Landestheater.  
Bertolt Brecht (1898-1956) schrieb „Mutter Courage“ 1938 im schwedischen Exil. Es handelt von Anna Fierling, genannt Mutter Courage, die mit ihren drei Kindern durch Europa zieht und die Truppen mit Waren versorgt. Das 1941 in Zürich uraufgeführte Lehrstück spielt zwar im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), war aber seinerseits hoch aktuell und brisant: Mit „Mutter Courage“ wollte Brecht die skandinavischen Länder davor warnen, aus rein wirtschaftlichen Interessen in den Zweiten Weltkrieg einzugreifen. So wie Brecht die Auseinandersetzungen im Dreißigjährigen Krieg als Parabel nutzt, um über die aktuelle Lage Europas Ende der 1930er aufmerksam zu machen, so ist auch die Inszenierung des Regisseurs Turgay Doğan hoch aktuell und politisch. Dabei nutzt er Brechts Verfremdungstechniken und entwickelt sie weiter. So zeichnet das Stück das Bild einer kapitalistischen Gesellschaft, die es versteht, aus Leid und Not einen Nutzen zu ziehen. Mutter Courage verliert mit jedem Verlust eines ihrer Kinder ein Stück mütterlicher Wärme und gewinnt an wirtschaftlicher Effizienz. Auf der Drehbühne, die mit Kisten und Kartons bepackt, als Waagen der Courage fungiert (Bühnen- und Kostümbild Lilith-Marie Cremer), verwebt Turgay Doğan die zeitlosen Texte Brechts und die anspruchsvollen Lieder  von Paul Dessau mit aktuellen Videos in youtube-Ästhetik (Viedoarbeit: Katrin Köhler), die aktuelle Kriege, Konflikte und Diktaturen reflektieren.
Zur Premiere in Altenburg werden sich dabei auch zwei der neuen Ensemblemitglieder präsentieren: Maximilian Popp wird Eilif, den ersten Sohn der Courage, verkörpern, Alexandra Sagurna übernimmt die Rolle der Yvette Portier. Außerdem kann sich das Publikum auf ein Wiedersehen mit Anne Diemer freuen, die als Gast die stumme Tochter Kattrin spielt. In der Titelrolle Mechthild Scrobanita, seit 1980 in Altenburg engagiert.

Der deutsch-türkische Schauspieler, Regisseur und Dramatiker Turgay Doğan wurde 1974 in Gelsenkirchen geboren. Er lebt in Istanbul und ist Gründer und Autor der Istanbuler Theatergruppe „gnlv“ und Verfasser zahlreicher Theatertexte. Außerdem arbeitet er regelmäßig für das Goethe Institut Istanbul. Turgay Doğan ist als Fernsehschauspieler unter anderem regelmäßig in der ARD zu sehen, in der Krimireihe Mordkommission Istanbul spielt er den Gerichtsmediziner.
Schauspieldirektor Bernhard Stengele, der Doğan für die Inszenierung 2015 nach Altenburg/Gera holte, sieht die Herausforderung bei der Inszenierung darin, „Mutter Courage“ nicht als musealen Klassiker zu behandeln, sondern als Stück brennenden Zeitgeschehens. Deshalb seine Entscheidung für Turgay Doğan als Regisseur, der die Hälfte seines Lebens in der Türkei verbrachte, die andere in Deutschland, genauer im Ruhrgebiet, das seinen Humor stark prägte. In der Türkei herrscht Bürgerkrieg. In Deutschland die sogenannte Flüchtlingskrise. Beide Länder verdienen am Krieg in Syrien, wie Anna Fierling am 30-jährigen Krieg….

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges zieht Anne Fierling, genannt Mutter Courage, gemeinsam mit ihren drei Kindern durch Europa und versorgt die Truppen mit Waren. Durch ihren Handel hält sie ihre Familie in der wirtschaftlich schweren Zeit über Wasser. Doch der Krieg fordert auch von Mutter Courage seinen Tribut: Ihren ersten Sohn verliert sie an einen Offizier und wenige Jahre später wird ihr jüngster Sohn in Kriegsgefangenschaft genommen. Noch während die Mutter um die Freilassungssumme verhandelt, wird der Sohn erschossen. Nun muss sie allein mit ihrer stummen Tochter Kattrin gegen die Widrigkeiten des Krieges kämpfen. Betrug, Raub und Misshandlungen haben die beiden Frauen zu ertragen. Je länger der Krieg andauert, desto mehr hält Courage an ihrer Prämisse fest: Der Krieg ist ein Geschäft und Mitleid macht niemanden satt.

Die musikalische Leitung hat Olav Kröger. Es musizieren Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera.
In den Rollen: Mutter Courage - Mechthild Scrobanita, Kattrin - Anne Diemer, Yvette Portier –Alexandra Sagurna, Schweizerkaas - Ioachim Zarculea, Eilif –Maximilian Popp, Koch - Thorsten Dara, Feldprediger - Manuel Kressin, Werber/ Hauptmann/ Obrist/ Soldat - Manuel Struffolino, Feldwebel/ Soldat/ Schreiber - Johannes Emmrich.

Am Sonntag, 8. Oktober, 11 Uhr, lädt die Vereinigung der Theaterfreunde für Altenburg und Umkreis gemeinsam mit dem Theater zum Theaterfrühstück ins Heizhaus ein. Im Gespräch mit dem Inszenierungsteam und den Darstellern können hier Interessierte vorab mehr erfahren. Die Moderation übernimmt Dramaturgin Svea Haugwitz.

Die nächsten Vorstellungen sind am 20. und 31. Oktober.
30 Minuten vor jeder Vorstellung wird eine Stückeinführung durch die Dramaturgin Svea Haugwitz angeboten.

Karten an der Theaterkasse, telefonische Reservierungen unter 03447-585177


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