Kruso

Nach dem gleichnamigen Roman von Lutz Seiler
Für die Bühne bearbeitet von Petra Paschinger
Auftragswerk · Uraufführung der Bearbeitung
In der Reihe Wegmarken der europäischen Geschichte

 

„Wer hier war, hatte das Land verlassen, ohne die Grenzen zu überschreiten.“
Kruso

Im Sommer 1989 flüchtet sich der Student Edgar Bendler nach dem Tod seiner Freundin nach Hiddensee. Einen neuen Sinn in seinem Leben suchend, heuert er auf der Insel im Gasthof „Klausner“ an und taucht ein in die Welt der Kellner, Abwäscher und Saisonarbeiter, die ihren eigenen Regeln, Gesetzen und Ritualen folgt. Zusammengehalten wird der bunte Haufen Arbeiter durch Alexander Krusowitsch, genannt Kruso, der seine Schwester bei einem Fluchtversuch verloren hat und seither die Utopie verfolgt, jeden „Schiffbrüchigen“ innerhalb von drei Nächten zu den „Wurzeln der Freiheit“ zu führen. Der Roman Kruso erzählt von der Landschaft Hiddensees, von Saisonarbeitern, Aussteigern und Ausgestoßenen. Auf der Insel finden Andersdenkende, Künstler, Schriftsteller, Schauspieler, Musiker und Wissenschaftler Zuflucht. Kruso ist ein aufregendes Gedicht über die Sehnsucht nach Freiheit und Individuation weit über seine historischen Bezüge hinaus.

In Gera geboren und aufgewachsen, verfasste Lutz Seiler (*1963) zuerst Gedichte und Erzählungen. Kruso ist sein erster Roman, der ihm auch just zu nationalem Erfolg verhalf. 2014 bekam Seiler für das Werk den Uwe-Johnson-Preis und den Deutschen Buchpreis verliehen.

 


Rezensionen

Am Abwasch der Zeitgeschichte · nachtkritik.de

Am Ende stehen die Schauspieler in Bademänteln und privaten Klamotten vor dem Publikum und tragen gemeinsam "Edgars Bericht" vor, jenen Teil von Kruso, der von Lutz Seilers Suche nach den vermissten Ostseeflüchtlingen handelt. Die Stille im Saal ist beinahe gespenstisch. Danach brandet der Applaus auf. So schlicht und doch bewegend kann Theater sein. Wenn es den Mut zur Einfachheit hat. Wenn es seine Mittel in den Dienst des Stoffes stellt und nicht umgekehrt.

Matthias Schmidt

Theater-Premiere für "Kruso" in Gera · dpa

Lutz Seilers Erfolgsroman „Kruso“ überzeugt auch auf der Bühne .... Dabei baut die Geraer Bühnenfassung ausschließlich auf Originaltext Seilers auf. Dessen Poesie stellt die Inszenierung von Caro Thum orgiastische Bilder des Aussteigerlebens auf der Insel Hiddensee im Sommer 1989 entgegen: Es wird kräftig mit Wasser und Kunstblut gespritzt und gematscht, derweil die Akteure sich immer wieder entblättern und nackt auf der Bühne agieren. In den Mittelpunkt rückt das Stück die tiefe Männerfreundschaft zwischen dem Anführer Krusowitsch und Edgar, der nach dem Tod seiner Freundin auf die Insel flieht.

Andreas Hummel

Kruso-Premiere: Heimspiel für Seiler · Ostthür. Zeitung 9. 11.15

Die Entscheidung, „Kruso“ in Gera auf die Bühne zu bringen, zeigt, das Haus weiß, was das Publikum interessieren könnte. Das unter Bernhard Stengele für seinen Zugriff auf politisch relevante Themen bekannte Schauspiel beweist aber auch, es hat Mut. Denn den brauchen alle Beteiligten für einen so komplexen Text.

Angelika Bohn

Requiem für Ausgestoßene · Freie Presse 11.11.15

Nach dem berührenden Epilog, der von den Menschen berichtete, die bei der Flucht aus der DDR in der Ostsee ums Leben gekommen waren, brandete Beifall auf. Lutz Seiler sagte hinterher, er sei einverstanden mit der Inszenierung und der Abend habe einen der glücklichsten Momente seines Lebens geboten. Für Gera-Altenburg hatte Petra Paschinger eine eigene Bearbeitung der Romanvorlage angefertigt. Sie bezog sich ausschließlich auf Seilers Text, darauf legten die Geraer Theaterleute wert. Die scheinbar uferlose Vorlage, mäandernd, surreal, versetzt mit atmosphärisch intensiven Landschafts-, Charakter- und Stimmungsbildern, reichte für fast 500 Buchseiten. Das Stück fürs Theater musste mit einer Spieldauer von etwa zweieinhalb Stunden auskommen. Die wesentlichen Motive steckten drin. Die Stationen der Lebensreise des Germanistik-Studenten Edgar, die eigenwilligen Figuren, die starke Emotionalität und das Requiem für die Menschen, die auf der Flucht aus der DDR in der Ostsee ums Leben kamen.

Lutz Kirchner

Freiheit des Denkens und des Körpers · Schattenblick Nov. 2015

Während sich Kressins Ed in seiner Naivität auslebt, überzeugt Stengeles Kruso mit seinem Charisma ebenso wie Nothofers Frauengestalten in ihrer Natürlichkeit bestechen. Für denjenigen, der den Roman "Kruso" nicht kennt, bietet die Geraer Inszenierung die Chance einer Begegnung mit Lutz Seilers Text und die Möglichkeit, in seine poetische Sprachwelt einzutauchen. Nicht zuletzt ist es ein mutiges und streitbares Angebot ...

Christiane Baumann

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