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    Ballett von Silvana Schröder · Uraufführung

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    Ballett von Silvana Schröder · Uraufführung

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    Ballett von Silvana Schröder · Uraufführung

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    Musik von und mit Keimzeit
    Uraufführung
    In der Reihe Wegmarken der europäischen Geschichte []

     

    „Bloß von hier weg, so weit wie möglich.../ Bis du sagst, es ist Zeit, wir müssen/ Aus Feuerland zurück, nach Hause,/ Im Wiener-Walzer-Schritt...“
    Keimzeit

    Schwindelerregende Kreisbewegungen sind in vielen Songs das Grundmotiv der 1980 unter dem Namen Jogger gegründeten und zwei Jahre später in Keimzeit umbenannten Band aus dem brandenburgischen Dorf Lütte: Aufbrechen, zu Reisen ins Unbestimmte, die eigenen Wurzeln dabei aber nie ganz vergessen, Abstürzen, wieder Aufstehen ... Man kann die Welt, in der man lebt, vielleicht nicht vollkommen verändern, scheinen die Songs zu sagen, aber man kann sie mit anderen Augen sehen, verborgene Paradiese vor der eigenen Haustür entdecken, oder utopische Realitäten – und sei es nur für Momente – Wirklichkeit werden lassen ...
    Weil im Tanz und im Theater immer alles möglich ist, auch das Verwirklichen der eigenen Träume, holt Silvana Schröder die von ihr selbst heiß geliebte Band und ihre Lieder über Paradiesvögel und Außenseiter, Durchschnittsmenschen und schräge Typen ins Theater. Und es zeigt sich, dass Keimzeit eine charmant eigenwillige Tanzband ist und bleibt.
    Den 28 live von der Band gespielten Songs stellt Silvana Schröder heitere, farbenfrohe, skurrile oder poetisch-intime, bewegende Momentaufnahmen des Lebens gegenüber, die sich mitunter in lustvoll überfordernde „choreografische Wimmelbilder“ verwandeln. Wer hier genau hinschaut, wird immer mehr entdecken können: unzählige Details an den Rändern des Geschehens, Einsame zwischen Lächelnden, Freude inmitten von Melancholie ... Verweben sich die Zeiten und Orte? Passiert all das gleichzeitig, unbemerkt nebeneinander?
    Die Inszenierung liefert kein Keimzeit-Musical, keinen Liederabend mit Tanz, sondern multipliziert all das, was über einfaches Verstehen hinausgeht und lädt ein zum Schauen, Hören, Fühlen und Denken.

     



    Rezensionen

    Wohltuend in der Schwebe · Freie Presse 10. Nov. 2014

    Silvana Schröder gelingt es erneut, ihre am Theater Altenburg-Gera angesiedelte Tanzkompagnie zu einer hochklassigen Gemeinschaftsleistung zu führen. Auch die eigene Handschrift der Ballettdirektorin zeichnet sich bei der erstmals im Verein mit einer Band realisierten Inszenierung deutlich ab. Kompakte Bewegungsabläufe, die auf die natürliche Schönheit und Spannkraft des Körpers bauen, werden mit unterschiedlichen tänzerischen Stilelementen kombiniert und dazu gibt es eine Musik, die fest in der Gegenwart wurzelt. Mit Keimzeit steht in Gera eine Rockgruppe im Rampenlicht, die sich durch ein transparentes, fein abgestimmtes Spiel, durch ihre ausgeprägte poetische Ader und eine breite Palette von Themen auszeichnet.

    Volker Müller

    Ein Haus voller Geschichten · Ostthür. Zeitung 10. Nov. 2014

    Ohnehin findet und erfindet Silvana Schröder mit ihrem Ensemble ganz eigene Tanzgeschichten, in denen immer auch einzelne Figuren wie die Seiltänzer, der Steinmetz, der Tätowierte oder ein Komödiant lebendig werden. Beeindruckend aber ist vor allem, wie die Choreografin den Extrakt, die Stimmung aus den Liedern filtert und daraus im Zusammenspiel von Neoklassik und modernem Tanz fantasievolle, hoch emotionale Bilder zaubert. "Kling Klang" zum Beispiel wird zu einem Fest in der Gruppe, bei "Projektil" (Alina Dogodina/Filip Kvacák) trifft die Liebe mitten ins Herz, bei "Singapur" fühlt man fast schmerzhaft Fernweh und möchte sofort die Koffer packen. Und wenn bei "Flugzeuge" das Komödiantenvolk aufmarschiert, die Nachtgestalten munter werden und der Charmeur "Ich liebe dich" flüstert, dann ist das, trotz Nachdenklichkeit, ein riesiges Vergnügen.

    Sabine Wagner

    Tanz der Schmetterlinge · Thür. Landeszeitung 10. Nov. 2014

    Der Abend ist eine Liebeserklärung an den unangepassten Charakter, der sich nicht vermassen und verbiegen lässt. Freilich bewegt er sich im Feld der Verführung und Manipulation - wie in "Comic-Helden" -, muss Enttäuschungen aushalten und Rückschläge verkraften. "Brüche in der Brücke über stinkendem Morast", heißt es in "Schmetterlinge". Die Gefährdung des Individuums gehört zu den Lieblingsmotiven der Keimzeit-Songs und auch des Balletts.

    Frank Quilitzsch

    Keimzeit begeistert auf der Ballettbühne · dpa 10. Nov. 2014

    28 ihrer Lieder hat Ballett-Chefin Silvana Schröder – ein bekennender Keimzeit-Fan – aus rund 150 Titel ausgewählt: Hits wie "Kling Klang" und "Projektil" ebenso wie seltener gespielte Titel und Lieder jüngeren Ursprungs à la "Der verkaufte Kasper". Schröder erzählt mit den Mitteln des Balletts eigene, berührende Geschichten und erschließt den Zuschauern so neue Zugänge zur Musik von Keimzeit. Es sind Geschichten von Liebe, Sehnsucht, Freude, von Abgründen des Lebens, Tod, Einsamkeit und Glück.

    dpa / mar

    Lechzen nach dem Bad im Glück · www.tanznetz.de

    Auf allen Ebenen lässt Schröder agieren, vieles sogar parallel passieren, was die choreografische Dichte immens steigert, rückt oft Solisten mit ihrem Aufbegehren ins Zentrum. Dass sie individuellen Ausbruch und gelöste Gruppengemeinsamkeit im Wechsel einsetzt, beugt einseitiger Gewichtung vor. Manchmal muten die Textthemen wie Reaktionen auf Sehnsüchte zu DDR-Zeiten an: unbedingte Liebe und Aufbrechenwollen ins Fremde, Abtauchen in die Nachtvorstellung der Verrückten und Seiltanz über dem Abgrund, die Auffordrung, sich zu bewegen, Gier nach Leben, Ängste, Verlassenwerden, geplatzte, verpatzte Träume, Fragen an die Zukunft. Der im Song verkündete Umzug findet nicht statt, Kasper wird verkauft, der rostige Nagel stachelt weiter im Herzen. Doch wir müssen weiter – was soll's! Silvana Schröder schüttet ihr choreografisches Füllhorn aus ...

    Volkmar Draeger

    Nachtvorstellung der Entzückten · Osterländer Volkszeitung 15.10.15

    In ihrer knapp zweistündigen Inszenierung "Keimzeit" lässt die Ballettdirektorin des Altenburg-Geraer Theaters, Silvana Schröder, gemeinsam mit der titelgebenden Band die Zuschauer an zahlreichen Leben, an bewegenden Geschichten teilhaben. Die Mischung aus Poesie, Tanz und Musik zog vorgestern Abend bei der Altenburger Premiere das Publikum in ihren Bann. .... jeder hat seine Geschichte, jeder tanzt sie leidenschaftlich, voller Inbrunst. Schröder nimmt den Zuschauer, um angelehnt an Keimzeit zu sprechen, mit zur Nachtvorstellung der Entzückten, der Comic-Helden, Seiltänzer, Paradiesvögel, Gescheiterten, Liebenden - kurz: der Menschen. Nur die vielbesungenen roten Schuhe ziehen die Tänzer nicht an. So sehr hängt die Choreografin dann doch nicht am Text.

    Jennifer Hochhaus

    KeimZeit · concerti .de

    Weil im Tanz und im Theater immer alles möglich ist, auch das Verwirklichen der eigenen Träume, holt Silvana Schröder die von ihr selbst heiß geliebte Band und ihre Lieder über Paradiesvögel und Außenseiter, Durchschnittsmenschen und schräge Typen ins Theater. Und es zeigt sich, dass Keimzeit eine charmant eigenwillige Tanzband ist und bleibt. Den 28 live von der Band gespielten Songs stellt Silvana Schröder heitere, farbenfrohe, skurrile oder poetisch-intime, bewegende Momentaufnahmen des Lebens gegenüber, die sich mitunter in lustvoll überfordernde „choreografische Wimmelbilder“ verwandeln. Wer hier genau hinschaut, wird immer mehr entdecken können: unzählige Details an den Rändern des Geschehens, Einsame zwischen Lächelnden, Freude inmitten von Melancholie ... Verweben sich die Zeiten und Orte? Passiert all das gleichzeitig, unbemerkt nebeneinander? Die Inszenierung liefert kein Keimzeit-Musical, keinen Liederabend mit Tanz, sondern multipliziert all das, was über einfaches Verstehen hinausgeht und lädt ein zum Schauen, Hören, Fühlen und Denken.

    KeimZeit · tanz 1/2015

    Mit bewunderungswürdiger Selbstverständlichkeit halten Tanz, Ton und Text miteinander Schritt. Dabei ist es alles andere als einfach, die Choreografie so aus der Musik heraus zu begründen, dass sie sich nicht im Episodischen erschöpft. Doch Silvana Schröder ist sich ihrer Sache sicher. Sich einen Jugendtraum erfüllend, lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf, ohne dass der konkrete Bezug auf die Balladen darüber verloren geht. «Flugzeuge ohne Räder», «Frischer weißer Schnee», «Der verkaufte Kasper» oder «Singapur» sind ein paar der insgesamt 27 Texte überschrieben, und die Staatsballett-Direktorin macht sich darauf einen Reim, der mal mehr, mal weniger, aber immer auf einfühlsame Weise der gesprochenen, der gesungenen Poesie entspricht. Nur so lässt sich der Abend so grandios gefällig gestalten wie in Gera.

    Hartmut Regitz

    Mediathek

    © Fotos: Stephan Walzl (Die Fotos können für redaktionelle Zwecke und Berichterstattung zum betreffenden Stück honorarfrei genutzt werden. Der/die Fotograf/in muss stets genannt werden.)