Venedig im Schnee

Komödie von Gilles Dyrek
Aus dem Französischen von Annette und Paul Bäcker
Ab 14 Jahren

  • Fr 08.12.2017 / 19:30 Uhr
    Bühne am Park Gera

 

„Die wahre Wohltätigkeit zeigt sich darin, nur Sachen zu spenden, die auch funktionieren.“
Nathalie

Als Jean-Luc in Paris zufällig seinem alten Studienkollegen Christophe begegnet, lädt er ihn und seine Freundin spontan zum Abendessen in seine Wohnung ein. Diese hat er gerade mit seiner Freundin Nathalie frisch bezogen. Die Renovierungsarbeiten sind noch nicht gänzlich abgeschlossen, aber dennoch möchte das verliebte Paar stolz die neue Heimstätte präsentieren. Doch Jean-Luc ahnt nicht, welche Gäste er sich ins Haus geholt hat! Während er und Nathalie in harmonischen Zärtlichkeiten schwelgen, hat es zuvor bei Christophe und seiner Freundin Patricia ordentlich gekracht. Patricia nämlich hat überhaupt keine Lust, den Abend mit fremden Leuten und Smalltalk zu
verbringen. Kurzerhand entschließt sie sich, gar nicht zu sprechen. Ihre Schweigsamkeit löst bei den Gastgebern Irritationen aus. Das glücklich-naive Pärchen mutmaßt schließlich, dass Patricia Ausländerin sei. Gerne nimmt die zornige Freundin dieses Missverständnis auf und entwickelt eine diabolische Freude daran, die Grenzen der Gastfreundschaft und Toleranz von Jean-Luc und Nathalie auszuloten.

Intelligent und bissig befasst sich Gilles Dyrek (*1966) in Venedig im Schnee mit unterschiedlichen Facetten des Themas Solidarität. In pointierten Dialogen entpuppt sich die wohlmeinende Mildtätigkeit auch als Geste vermeintlicher Überlegenheit. Dabei geraten die Protagonisten im Netz aus Missverständnissen, Verwechslungen und Orientierungslosigkeit immer wieder in komödiantische Situationen und treten von einem Fettnäpfchen ins nächste. Dr. Klaus Hoser, der u. a. noch unter Bertolt Brecht hospitierte und 1962-1975 das Forum Theater in Berlin leitete, wird diese Gratwanderung zwischen Boulevardkomödie und Gesellschaftssatire inszenieren.

 


Rezensionen

Zum An-der-Nase-Zupfen - Ostthür. Zeitung 5.12.17

Es macht viel Spaß, zuzusehen, wie die Bereitschaft zu Spenden und das Unbehagen, Spenden anzunehmen, Emotionen auf Achterbahnfahrt schickt. "Venedig im Schnee“ ist Unterhaltung vom Feinsten, witzig und intelligent und am Ende weiß man sogar ein bisschen mehr über sich selbst.

Angelika Bohn

Spaß und Ernst und keine Gnade - Freie Presse 6.12.17

Dem Theater Gera ist mit Gilles Dyreks doppelbödiger Komödie "Venedig im Schnee" ein ebenso furioser wie nachdenklicher Spaß gelungen... Die erfahrenen Theaterleute Klaus Hoser (Regie) und Mathias Rümmler (Ausstattung) haben das Geschehen mit feinem Gespür für Spannung, Turbulenz, Situationskomik, aber auch Realitätssinn und Glaubhaftigkeit in Szene gesetzt. Dass der permanente furiose Schlagabtausch, der zu erleben war, in keiner Phase etwas Ermüdendes hatte, spricht nicht zuletzt für das Können der vier Darsteller.

Volker Müller

Mediathek

Fotos: Sabina Sabovic (Die Fotos können für redaktionelle Zwecke und Berichterstattung zum betreffenden Stück honorarfrei genutzt werden. Der/die Fotograf/in muss stets genannt werden.)