Mutter Courage und ihre Kinder

Drama von Bertolt Brecht
Musik von Paul Dessau

  • Sa 14.10.2017 / 19:30 Uhr Premiere
    Großes Haus Altenburg

 

„In dem Krieg is’ noch allerhand für uns drin.“
Mutter Courage

Anna Fierling, genannt Mutter Courage, zieht gemeinsam mit ihren Kindern durch Europa, das mitten im Dreißigjährigen Krieg von Leid und Not gezeichnet ist. Sie versorgt die Truppen mit Waren und ernährt durch diesen Handel ihre Familie. Doch der Krieg fordert seinen Tribut: Ihren ersten Sohn Eilif verliert Mutter Courage an den Heeresdienst, einige Jahre später wird ihr zweiter Sohn Schweizerkas als Zahlmeister angeheuert. Bei einem Überfall wird er in Gefangenschaft genommen. Courage verkauft ihren Wagen, um mit Hilfe von Bestechungsgeldern den Sohn zu befreien. Doch die Mutter verhandelt zu lang, Schweizerkas wird getötet. Während sie allein mit ihrer stummen Tochter Kattrin
weiterzieht, mal begleitet vom Feldprediger, mal vom Koch mit einem Besuch beehrt, richtet der Krieg immer mehr Verwüstung an.

1939 im schwedischen Exil geschrieben, wollte Bertolt Brecht (1898-1956) mit seinem Lehrstück die skandinavischen Länder davor warnen, sich aus wirtschaftlichen Gründen am II. Weltkrieg zu beteiligen. Diese Mission scheiterte. Dennoch steht die Figur der Mutter Courage noch heute als Sinnbild für eine kapitalistische Gesellschaft, die es versteht, aus Leid und Not Profit zu ziehen.

Die von Brecht gegründete Form des epischen Theaters hat zum Ziel, mit Hilfe unterschiedlicher Verfremdungstechniken den Zuschauer rational zu fordern. Wichtig dabei ist auch die Musik, die das Bühnengeschehen immer wieder unterbricht: „Die Musik Paul Dessaus zur Courage ist nicht hauptsächlich eingängig; wie beim Bühnenbau war auch bei ihr dem Publikum etwas zu tun übriggelassen: das Ohr hatte die Stimmen und die Weise zu vereinigen. Kunst ist kein Schlaraffenland“, schrieb Brecht später. Turgay Doğan untersucht in seiner Inszenierung die Mittel des epischen Theaters, entdeckt sie neu und entwickelt sie weiter.

 


Rezensionen

Dies Bildnis ist so kraftvoll schön - Thür. Landeszeitung 26.9.16

.... dieser Abend lebt von seiner aggressiven, eindrücklichen Visualität.

Henryk Goldberg

Die Unbelehrbare zieht weiter - Ostthür. Zeitung 26.9.16

Keine leichte Kost der Brecht in Gera, aber eine Inszenierung, die nachwirkt. Ganz im Sinne des Autors.

Ulrike Kern

Couragierte Suche nach der Form - Osterländer Volkszeitung 17. Okt. 17

Immer noch wirkungsvoll greift die Musik von Paul Dessau ein. Von Olav Kröger einstudiert und von Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters musiziert, gibt sie den Drive. Und gesungen wird expressiv.... Auf den Stil eingelassen, verfolgte das Publikum die weiteren Niederlagen der Courage: Ihren Bettelgang gemeinsam mit dem Koch – eindringlich Mechthild Scrobanita und Thorsten Dara. Ebenso dann die Schändung ihrer Tochter Kattrin, allen Naturalismus auslassend. Anne Diemer in der Rolle der Stummen war stark in ihrem Spiel als ständig Warnende und wunderbar in der Szene, in der die Sprachlose im Frost allein das Lied singt, das sie da drinnen im Haus zu hören scheint. Absolute Stille im Saal, wenn Kattrin – die wirklich Mütterliche – die Stadt Halle vor der Erstürmung rettet und ihre Tat mit dem Leben bezahlt. Turgay Dogan hat auf Ensemblespiel gesetzt. Es gewann große Geschlossenheit ...

Helmut Pock

Mutter Courage jetzt im Landestheater Altenburg - Ostthür. Zeitung / Schmölln 20.10.17

Die Inszenierung ist so grell wie das Neonlicht in den Augen eines gerade Erwachenden. Mit Schreien, Jammern und Titularien vor jeder Szene reißt die „Mutter Courage und ihre Kinder“ die Altenburger aus der Theater-Bequemlichkeit. Brecht, der ewige Mahner, wollte immer das Publikum zum Denken bringen, nicht nur zum Fühlen.

Eva Stegmann

Mediathek

© Fotos: Sabina Sabovic (Die Fotos können für redaktionelle Zwecke und Berichterstattung zum betreffenden Stück honorarfrei genutzt werden. Der/die Fotograf/in muss stets genannt werden.)