Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Oper in drei Akten (1930)
Libretto von Bertolt Brecht
Musik von Kurt Weill

In der Reihe Die goldenen 20er

 

„Vor allem aber achtet scharf, dass man hier alles dürfen darf.“
Chor

Leokadja Begbick, Fatty und Dreieinigkeitsmoses ist im Leben nur wenig geglückt. Wegen verschiedener Vergehen steckbrieflich verfolgt, suchen sie ihr Heil in der Gründung der Stadt Mahagonny mitten in der Wüste. Schnell verbreitet sich der Ruf, dass hier alles erlaubt sei, was andernorts verboten ist. Und so entfaltet Mahagonny eine große Anziehungskraft für Vergnügungssüchtige, Glücksspieler und Liebestolle. Es kommen Heilsbringer, Holzfäller und Huren. Nur ein Verbrechen wird in dieser Stadt verfolgt: kein Geld zu haben.

Die 1930 in Leipzig uraufgeführte Oper thematisiert die Auswüchse von übermäßiger Freizeit und ungebremstem Konsum und die mit ihnen verbundenen Illusionen; sie handelt zugleich von sich als Gattung, insofern diese als Ausdruck einer bürgerlich-kulinarischen, realitätsverweigernden Haltung galt. Zu den Texten von Bertolt Brecht (1898-1956) schrieb Kurt Weill (1900-1950) eingängige Lieder („Alabama-Song“, „Auf nach Mahagonny“), mal schwungvoll, mal sentimental, machte Anleihen in der klassischen Musik, integrierte europäische und amerikanische Populärmusik, verschachtelte die Elemente gekonnt und schuf eine ganz eigene, bis heute gültige und eingängige Musik.

Mit Roland Schwab, dem Ostthüringer Publikum bereits durch seine bildgewaltigen Inszenierungen von Jules Massenets Werther und Franz Lehars Die lustige Witwe bekannt, konnte ein an großen Opernhäusern wie der Deutschen Oper Berlin und der Bayerischen Staatsoper München gefeierter Regisseur erneut gewonnen werden.

Theaterfrühstück
So. 5. November 2017 · 11:00 Uhr
Landestheater Altenburg
Heizhaus

 


Rezensionen

Märtyrer mit Kettensäge - Neue Musikzeitung online 6.3.17

Viel Applaus für ein zapfendusteres und dabei grelles Weill-Spektakel in Schwarz-Rot-Grau.

Roland Dippel

Was tun gegen den Zahn der Zeit? - Freie Presse 6.3.17

Einsatz und Ausstrahlung des Ensembles - einschließlich des rege beschäftigten verstärkten Opernchors - verdienen großes Lob.

Volker Müller

Eine Untergangsgesellschaft - Thür. Landeszeitung 6.3.17

Schwarz ist der Horizont, ist das Loch in der Mitte der Bühne, und schwarz sind die kultigen Klamotten der Einwohner von Mahagonny ... Eine Untergangsgesellschaft, rau, aber herzlos - und vollkommen fixiert auf die Befriedigung basaler Lüste.

Wolfgang Hirsch

Startschuss zur sozialen Verwahrlosung - Leipziger Volkszeitung 6.3.17

Fast neunzig Jahre nach Entstehung ist auch die Anti-Oper „Mahagonny“ ein Klassiker und deshalb offen für Pranke, Eleganz oder beides. Takahiro Nagasaki hält das glänzend aufspielende Philharmonische Orchester Altenburg-Gera auf der Bühne des Theaters Gera in viel besserer Durchmischung, als das aus der offenen Akustik des Grabens möglich wäre. Er fordert von den Musikern satte und feingestufte Balzgirlanden um das exotisch girrende Banjo, Gitarre, Saxophon. So kommen Radau und Supergau der Stadt Mahagonny in die Nähe einer stimmgewaltigen „Götterdämmerung“ und sogar des Tanzes um das goldene Kalb bei Arnold Schönberg. Dabei bleibt diese musikalische Fülle immer federnd und im schwingenden Puls mit dem szenischen Geschehen. Ganz im Sinne der Weill-Apologeten, also passgenau ordinär, lässt Holger Krause den Opernchor agieren und der stürzt sich dazu freudvoll in die spielerische Schlacht.

Roland Dippel

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - MDR Kultur 4.3.17 15.45 Uhr

... weder Amerika, noch das Hier und Heute werden zum Thema der Inszenierung gemacht. Wohl aber klagt Schwab in seiner aufwendigen Inszenierung die Verrohung der Umgangsformen, die Preisgabe des Humanen, den Triumph des Geldes und der primitiven Instinkte an: das Fressen, den Liebesakt und das Boxen, um die Brechtschen Vokalbeln aus dem Libretto zu zitieren ...

Dr. Dieter David Scholz

Hier braucht keiner einen Hurrikan - Freies Wort 6. März 17

Das Stück ist die Enthüllung der Verhältnisse. Es bietet als tödliche Pointe die Erkenntnis, dass im Kapitalismus pur .... ohne Moos nix los ist und nichtbezahlte Rechnungen ein todeswürdigeres Verbrechen sind, als Mord oder ähnliches. Niemand springt für die Schulden von Jim Mahoney ein. Er wird gehängt. Um das heute in wirkungsvolle Bilder zu übersetzen, braucht es entweder eine auf die Spitze getriebene Distanz oder... man macht wie Roland Schwab und seine Ausstatterin Christl Wein-Engel das genaue Gegenteil und springt quasi mit geschlossenen Augen und angehaltenem Atem kopfüber in diese Aufklärungsrevue hinein und entfesselt bewusst die dunkle Seite ihrer vokalen und musikalischen Wucht.

Dr. Joachim Lange

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - Der neue Merker 4/17

Roland Schwab und Christl Wein finden eine Lesart, die weder plakativ noch belehrend ist. Die Bilder, die auf der Bühne entstehen, sprechen eine beredte Sprache.

Christoph Suhre

Mediathek

© Fotos: Sabina Sabovic (Die Fotos können für redaktionelle Zwecke und Berichterstattung zum betreffenden Stück honorarfrei genutzt werden. Der/die Fotograf/in muss stets genannt werden.)