Gefährliche Liebschaften

Stück nach dem Briefroman von Choderlos de Laclos
von Fabian Joel Walter [1 Std. 20 Min.]

 

„Madame de Tourvell, die Betschwester! Ich habe Sie nicht in Freiheit entlassen, damit Sie auf diese Kuh steigen.“
Marquise de Merteuil


Es ist eine zynische Schachpartie der Intrigen, bei der es am Ende keine Sieger geben kann. Die genauso hinterhältige wie für die Öffentlichkeit unbescholtene Marquise de Merteuil und der Frauenherzen vernichtende Vicomte de Valmont verbindet das Band der Verachtung. Beide haben es sich zum Ziel gemacht, mit den Waffen der Verführung ihre Mitmenschen in den nihilistischen Abgrund zu stürzen, den sie hinter jeder Zwischenmenschlichkeit erwarten. Das aktuelle Objekt ihrer Zerstörung ist die tugendhafte Madame de Tourvel, welche ihnen einigen Widerstand entgegenzusetzen hat. Ihre Werte, ihr unerschütterlicher Glaube an den Anstand sind die Mauern ihrer Bastion, die Valmont einnehmen muss. um sich endgültig als Meister seiner Kunst zu krönen. Als Siegespokal winkt eine Liebesnacht mit seiner vertrauten Marquise. Doch je mehr das Opfer ins Schwanken gerät, desto unsicherer werden die beiden Intriganten. Sind sie tatsächlich so gefühlskalt, wie sie vorgeben zu sein? Ist es wirklich nur ein Spiel, bei dem nur die anderen verlieren können?
Der berühmte Briefroman aus dem Jahr 1782 hält bis heute einer Gesellschaft den Spiegel vor, die das Gefühl als lästiges Übel verachtet und Kavaliersdelikte wie Hinterlist und Heimtücke hochhält, solange sie sauber verpackt bleiben. Dieses nach wie vor aktuelle Sittenbild einer ganzen Epoche wird nun mit all seinen Feinheiten und Gemeinheiten in der Verbindung von Schauspiel, Puppe sowie den Suiten für Cello von Johann Sebastian Bach auf die Bühne des Puppentheaters gebracht. Wie ein Seziermesser schält die Inszenierung Schicht für Schicht von den Figuren, bis das Spiel aus Verführung und Vernichtung zu seinem finalen Höhepunkt ansetzt...

Themen: falsche und echte Liebe, Intrige, Stellung der Frau, Macht, ethische/moralische Werte, Glaube, gesellschaftliche Zwänge, Verführung und Verführbarkeit Hintergrundzeit: Französisches Rokoko, Zeit von Voltaire und Bach

 


Rezensionen

Ostthüringer Zeitung

„Sabine Schramm ist in ‚Gefährliche Liebschaften‘ Puppen- und Schauspielerin in Personalunion. Sie macht die Merteuil zur spannendsten und rätselhaftesten Figur, die in dieser Saison in Gera das Scheinwerferlicht erblickte. … Zur Premiere am Sonnabend gab es Bravos und Applaus für diese kluge und funkelnde Inszenierung.“

Mediathek

© Fotos: Stephan Walzl (Die Fotos können für redaktionelle Zwecke und Berichterstattung zum betreffenden Stück honorarfrei genutzt werden. Der/die Fotograf/in muss stets genannt werden.)