Die große Reise

Eine theatrale Auseinandersetzung mit dem Roman von Jorge Semprún
Uraufführung

Gefördert im Rahmen des Bundesprogramms Toleranz fördern – Kompetenz stärken
In der Reihe Wegmarken der europäischen Geschichte [1 Std. 10 Min.]

 

„Später, wenn niemand mehr von diesen Reisen sprach, dann war vielleicht meine Stunde gekommen, von ihr zu sprechen.“
Jorge Semprún


Trailer

„Diese Nacht hört aber auch gar nicht auf“, sagt der Junge aus Semur zu Gérard, der mit ihm und 118 anderen politischen Häftlingen eingepfercht in einem Viehwaggon steht. Sie alle befinden sich, von Hunger und Durst geschwächt, auf dem Abtransport nach Deutschland. Dass das Ziel das Konzentrationslager Buchenwald sein wird, wissen sie noch nicht. 17 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald bricht Jorge Semprún (1923-2011) sein Schweigen. Im autobiografischen Roman „Die große Reise“ erzählt er seine Geschichte: 1923 in Spanien geboren, musste Semprún zu Beginn des Bürgerkrieges mit seiner Familie ins Exil nach Paris fliehen. Unter dem Pseudonym „Gérard“ trat er 1941 der kommunistischen Widerstandsbewegung Frankreichs bei. Zwei Jahre später wurde er von der Gestapo festgenommen und ins deutsche KZ Buchenwald deportiert. Es begann für ihn eine lange Reise. Die Erinnerungen an die Erlebnisse vor und nach Buchenwald werden nie von ihm ablassen, sie werden sich immer wieder in sein Bewusstsein drängen. Immer wieder sind sie Anlass, sich mit ihnen philosophisch wie künstlerisch auseinanderzusetzen. 1994 wurde Semprún mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Seine Dankesrede endete mit den Worten: „Meine lieben Freunde, vielen Dank für die verliehene Ehre, für die geteilte Erinnerung, für die Zukunft, die wir gemeinsam bauen müssen.“

Die Rechte für die in der Aufführung gezeigten Fotografien vom Konzentrationslager Buchenwald liegen bei der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.


Themen: Umgang mit der Geschichte - Erinnerungskultur, persönliche Schicksale des Holocaust, geistige Freiheit

 



Rezensionen

Ostthüringer Zeitung 6. Oktober 2014

Gelungene Inszenierung nimmt Publikum ganz eindrücklich mit auf Zugfahrt ins KZ Buchenwald .... Das großartige Puppentheaterensemble - in verschiedenen Rollen: Marcella von Jan, Sabine Schramm, Lys Schubert und Lutz Großmann - meistert unter der Regie von Stefan Wey den schweren Stoff bravourös ... Eine beeindruckende, sehr sehenswerte Inszenierung.

Ulrike Kern

In beklemmender Enge · Neues Gera 10. Oktober 2014

Das Ensemble des Puppentheaters mit Marcella von Jan, Sabine Schramm, Lys Schubert und Lutz Großmann meistert die schwierige, enorme Anforderung an Spiel und Gestik stellende Aufgabe, mit großem Einfühlungsvermögen. Alle Darsteller sind als Schauspieler und als Puppenspieler in verschiedenen Rollen zu erleben ...

Helga Schubert

Bahnfahrt in die Vergangenheit · www.fidena.de

Dezent wird Figurenspiel eingebettet in das assoziative und multimediale Menschentheater – erschreckend, immer voll starker Symbole und immer aus sich heraus begreiflich. Die Selbstverständlichkeit des Schreckens als Gegenpol deutscher Spießigkeit wirft die Frage auf, ob man beim Aufwachsen unter Nazis etwas anderes werden kann als auch ein Nazi, und jene nach dem Vergessen danach.

Tatjana Böhme-Mehner

Mediathek

© Fotos: Stephan Walzl (Die Fotos können für redaktionelle Zwecke und Berichterstattung zum betreffenden Stück honorarfrei genutzt werden. Der/die Fotograf/in muss stets genannt werden.)