Anita Berber – Göttin der Nacht

Ballett mit Orchester von Jiří Bubeníček
Musik von Simon Wills · Auftragswerk
Uraufführung

[1 Std. 30 Min.]

 

„Seid ruhig, ich schlafe ja doch mit jedem von euch!“
Anita Berber

Eine Göttin der Nacht oder eine Femme fatale im Tanz auf dem Vulkan? Anita Berber (1899-1928) war dreimal verheiratet, zwischenzeitlich mit einer Frau liiert, alkohol- und drogensüchtig, verkaufte ihren Körper und zog Skandale förmlich an. Doch vor allem personifizierte sie eines: den Drang ihrer Generation, einfach zu leben, ohne an die verlorene Zukunft zu denken.

1925 stand sie nackt für Otto Dix (1891-1969) Modell – jung, schön und berühmt –, doch der Maler brachte eine ganz andere Frau auf sein Gemälde: in einem roten Kleid, mit blutroten Lippen, eingefallenen Wangen, faltiger Haut, dunklen Augen und blassem Teint. Das Publikum sah eine energiegeladene Frau in ihr; Otto Dix eine schwache, und er malte sie älter als sie je wurde. Berbers exzessiver Lebenstanz, Sinnbild eines ganzen Jahrzehnts, endete abrupt, als sie nur drei Jahre später, im Alter von 29 Jahren, verstarb.

Jiří Bubeníček, ehemaliger Erster Solist am Ballett der Semperoper, gibt mit Anita Berber – Göttin der Nacht sein Debüt beim Thüringer Staatsballett. Zusammen mit seinem Bruder Otto Bubeníček, der für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeichnet, und dem britischen Komponisten Simon Wills, der das stürmische Leben Anita Berbers erstmalig vertont, präsentiert der Choreograf eine packende Ballett-Uraufführung.

 


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Rezensionen

Tanz in den Abgrund: Gera feiert Anita Berber

„Jirí und Otto Bubenícek sind ein geniales Inszenierungsteam. Es gibt keine Brüche in diesem Ballett, das Jirí choreografisch in Szene setzt und für das Bruder Otto Bühne und Kostüme kreiert hat. Alles ist im Fluss, in jedem Bild ist das nächste bereits zu erahnen. Beim rauschhaften Aufstieg bis zum Tanz in den Abgrund wird Anita Berber von Figuren begleitet, die aus Dix-Gemälden auf die Bühne zu treten scheinen[…] Mit ausgefeilten Gruppenchoreografien, großartigen Pas de deux, eindringlichen Soli und seiner expressiven, modernen Tanzsprache erzählt Jirí Bubenícek seine Sicht auf Anita Berber und ihre Zeit.“

Sabine Wagner / 20.06.16 / OTZ

Die Frau vom roten Gemälde

„Die tschechischen Zwillingsbrüder Jirí und Otto Bubenícek, die für Konzept, Choreographie und Ausstattung der Inszenierung verantwortlich zeichnen, haben anderes im Sinn. Das Ballett der einstigen renommierten Solotänzer, zu dem der englische Komponist Simon Wills eine farbige, emotionsgeladene, über weite Strecken eingängige Musik schrieb, erzählt das Auf und Ab dieses Künstlerschicksals in packenden, aber nicht immer restlos zu entschlüsselnden Bildern. Das am Theater Altenburg - Gera ansässige Thüringer Staatsballett wird hervorragend mit dieser Herausforderung fertig. Der alles Laute, Aufgesetzte, übertrieben Akrobatische nach Möglichkeit meidende Stil der Bubeníceks scheint den zwölf Damen und 13 Herren auf den Leib geschrieben zu sein. An Farbe und Glamour wird gespart - nicht an Leidenschaft. Die Uraufführung wurde mit überschwänglicher Zustimmung - der halbe Saal stand - aufgenommen.“

Volker Müller / 19.06.2016

Ein Dix-Gemälde erwacht und tanzt

„Grandiose Leistung des Thüringer Staatsballetts zur Anita-Berber-Premiere am Landestheater Altenburg. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Otto, der an Konzept und Inszenierung mitwirkte, zeichnet Jiri Bubenícek in seiner Choreografie ein Sittengemälde vom Anfang des 20. Jahrhunderts und von Berbers wechselvollem Leben als Künstlerin und Stilikone, zeigt ihre Selbstinszenierung und ihre Abstürze in Alkohol, Drogen und sexuelle Abenteuer mit beiderlei Geschlecht.“

Ellen Paul / 28.03.2017 / OVZ

Der Tanz um das nackte Leben

„Das ist der Stoff für ein Ballett. Und nach der erfolgreichen Uraufführung beim Thüringer Staatsballett, kann man hinzufügen: Das ist ein Stoff für die Brüder Jiří und Otto Bubeníček. Bald werden sich Erfolge und Skandale ablösen, Alkohol, Drogen, Männer und Frauen, sie wird, wie Karl Lagerfeld sagte, der eine Modelinie nach ihr kreierte, die „gewagteste Frau ihrer Zeit“. Am Ende ein Totentanz gegen den Tod, nicht zuletzt, wenn die sterbende einsame Tänzerin sich noch einmal aufbäumt und der Vater ungerührt in der Proszeniumsloge des Theaters abtritt. Nach einem Moment des Innehaltens gibt es begeisterten Applaus des Premierenpublikums für diese Uraufführung, bei dem das Staatsballett sich in der Gruppe, mit den Solisten und in vielen Episodenrollen bestens aufgestellt zeigte.“

Boris Gruhl / 20.06.2016 / Tanznetz.de

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Fotos: Ronny Ristok