Der Misanthrop oder Der verliebte Melancholiker

Maskenspektakel nach Molière
Deutsch von Ludwig Fulda
Stipendiatenprojekt der Theater-Stiftung Gera · Teil 2

[1 Std. 30 Min.]

  • Sa 13.10.2018 / 19:30 Uhr
    Puppentheater Gera

 

„Wer nicht die Gabe hat, seine Gedanken zu verstecken, hat hierzulande sehr wenig zu suchen.“
Alceste

Alceste hat genug von den Lügen, der Heuchelei und der Oberflächlichkeit am königlichen Hof. Obwohl selbst von adeliger Abstammung, möchte er sich von den Zwängen der sogenannten „besseren“ Gesellschaft lösen und beschließt, sein Leben radikal zu ändern und von nun an nur noch die Wahrheit zu sagen – ohne Rücksicht auf Verluste. So weist er auch bald seinen besten Freund Philinte von sich, der vergeblich versucht, Alceste zur Mäßigung und zu einem gewissen Grad der Anpassung zu bewegen. Ein Mensch aber, der jedermanns Freund sein will, ist Alceste zuwider und deshalb muss Philinte gehen. Jedoch ist der wahrheitsliebende Radikalist ausgerechnet in die kokette Witwe Célimène verliebt, die sich mit ihrem flatterhaften Wesen gern in den Mittelpunkt der höfischen Gesellschaften drängt. Das Maskentheater verhüllt die natürliche Mimik und überzeichnet die menschlichen Gesichtszüge zu Stereotypen. Damit stellt das Genre umso eindringlicher die Frage nach Verstellung und Verblendung und der Wahrheit unter der Oberfläche.

Molières Komödie Der Misanthrop oder Der verliebte Melancholiker, auch unter dem Titel Der Menschenfeind bekannt, begeistert seit über 350 Jahren das Publikum in aller Welt. Das Stück ist die zweite Inszenierung von Kai Anne Schuhmacher innerhalb des Stipendiums der Theater-Stiftung Gera. Nachdem sie zuletzt das Solo Irgendwie Anders mit Tobias Weishaupt inszenierte, arbeitet sie diesmal mit dem gesamten Puppentheaterensemble. „Das Maskentheater ist ein besonderes Genre. Durch das Verhüllen des Gesichtes schafft es ganz neue Möglichkeiten des Spieles und der Interpretation. Fällt erst einmal die allgemeingültige Lesbarkeit des menschlichen Gesichtes weg, öffnet sich eine Projektionsfläche für die Gefühle und Fantasie des Zuschauers. Die Spieler haben die Möglichkeit außerhalb ihres Rollenprofils zu agieren und auch der Tausch der Geschlechter ist ohne Weiteres möglich. Was zählt, ist der Ausdruck der Maske und ihre Aufladung durch die spielerische Energie.“, so Schuhmacher.

 


Rezensionen

Molières "Misanthrop" als faszinierendes Maskenspiel - Ostthür. Zeitung

Anne Kai Schumacher ist eine ästhetisch durchkomponierte Inszenierung gelungen. Alles erscheint wie aus einem Guss. Absolut sehenswert!

Ulrike Merkel

Mediathek

Fotos: Ronny Ristok