Die Känguru-Chroniken

Stück von Marc-Uwe Kling
Ab 14 Jahren

[2 Std. 15 Min., 1 Pause]

  • Sa 19.05.2018 / 19:30 Uhr
    Bühne am Park Gera

 

„Tja, so ist das in der Welt. Der eine hat den Beutel, der andere hat das Geld.“
Das Känguru

„Ach. Mein, dein. Das sind doch bürgerliche Kategorien“, sagt das Känguru. Nach diesem Motto hat es sich nicht nur sämtliche Zutaten für die Eierkuchen zusammengeschnorrt, sondern zieht auch einfach gleich beim (Achtung, böses Wort!) „Kleinkünstler“ Marc-Uwe ein. Dort liegt es in der Hängematte, wirft sich Schnapspralinen ins Maul und arbeitet seine Not-to-do-Liste ab: Es verzichtet auf alles, was es als schlecht für sich, andere oder die Umwelt einstuft – und vollzieht damit gewissermaßen eine Umkehrung des Kategorischen Imperativs. Nicht auf dieser Liste stehen die Besuche der Kneipe „Bei Herta“. Deren resolute Wirtin lebt, arbeitet und diskutiert nach ihrem Leitspruch: „Du denkst dir vielleicht, du bist hart, aba ick bin Herta!“. Als es dem Känguru doch zu langweilig wird, gründet es „Das Asoziale Netzwerk“ – eine Anti-Terror-Organisation gegen den Kapitalismus und das Böse in der Welt. Gemeinsam mit dem Kleinkünstler zieht es im Namen des Netzwerks umher, um Patrioten und Nazis zu boxen, Graffiti zu korrigieren oder Mitarbeiter verschiedener Banken durch scheinbar entwaffnende Ehrlichkeit zum Umdenken zu bewegen.

Poetry-Slammer und Autor Marc-Uwe Kling (*1982) hat mit dem kommunistischen Känguru eine Figur geschaffen, die gesellschaftliche Fragen unserer Zeit aufgreift, hinterfragt und dazu anregt, einmal mehr um die Ecke zu denken. Charakteristisch ist neben dem angewachsenen Beutel, der so manch erstaunlichen Inhalt verbirgt, sein freches Mundwerk.

Die (Hör-)Buchreihe Die Känguru-Chroniken, welche die Grundlage für diese Theateradaption bildet, hat in den letzten Jahren nicht nur das studentische Publikum amüsiert. Für die Theaterfassung hat Marc-Uwe Kling zusätzlich eigene Lieder eingefügt. Sie zeigt philosophische und amüsante Anekdoten aus dem WG-Leben der Protagonisten.

 


Rezensionen

Am Ende lacht jeder - Ostthür. Zeitung 24.4.18

So entsteht auf der Bühne ein kurzweiliges Best-of, das die beliebtesten Episoden vereint. Obendrein gibt‘s ein paar neue, von Kling-Darsteller Popp überzeugend dargebotene Songs sowie jede Menge Meta-Witze übers Theater. Die resultieren aus der Konstellation heraus, dass der Souffleur (Bruno Beeke) als Figur mit auf der Bühne sitzt und sämtliche Nebenrollen von Wirtin Herta bis zum Neonazi spielt. Vor allem für Känguru-Einsteiger funktioniert das Ganze richtig gut. Das garantieren schon Klings grandiose Figuren und Dialoge. Aber auch die bestens aufgelegten Schauspieler und das Schachbrettmuster als dominierendes Bühnenbild sorgen für die nötige komödiantische Leichtigkeit. Manch eingefleischter Fan wird vielleicht fremdeln, weil alles anders ist, als man es sich vorgestellt hat, aber dann auch wieder nicht anders genug. Dennoch macht Alexander Flaches Adaption großen Spaß.

Ulrike Merkel

Zivilcourage und Faulheit - UNZ 8/2018

Es ist diese Überzeichnung weit ins Absurde, die den realen Irrsinn so lachhaft erscheinen lässt, ohne wichtige Themen auf bloßen Klamauk zu reduzieren. Im Gegenteil, das Publikum kann sich köstlich amüsieren, ohne das Denken über Missstände zu vernachlässigen.

Thomas Holzmann

Mediathek

Foto: Ronny Ristok