Die Känguru-Chroniken

Stück von Marc-Uwe Kling
Ab 14 Jahren

[2 Std. 15 Min., 1 Pause]

  • Di 16.10.2018 / 18:00 Uhr
    Heizhaus Altenburg

 

„Tja, so ist das in der Welt. Der eine hat den Beutel, der andere hat das Geld.“
Das Känguru

„Ach. Mein, dein. Das sind doch bürgerliche Kategorien“, sagt das Känguru. Nach diesem Motto hat es sich nicht nur sämtliche Zutaten für die Eierkuchen zusammengeschnorrt, sondern zieht auch einfach gleich beim (Achtung, böses Wort!) „Kleinkünstler“ Marc-Uwe ein. Dort liegt es in der Hängematte, wirft sich Schnapspralinen ins Maul und arbeitet seine Not-to-do-Liste ab: Es verzichtet auf alles, was es als schlecht für sich, andere oder die Umwelt einstuft – und vollzieht damit gewissermaßen eine Umkehrung des Kategorischen Imperativs. Nicht auf dieser Liste stehen die Besuche der Kneipe „Bei Herta“. Deren resolute Wirtin lebt, arbeitet und diskutiert nach ihrem Leitspruch: „Du denkst dir vielleicht, du bist hart, aba ick bin Herta!“. Als es dem Känguru doch zu langweilig wird, gründet es „Das Asoziale Netzwerk“ – eine Anti-Terror-Organisation gegen den Kapitalismus und das Böse in der Welt. Gemeinsam mit dem Kleinkünstler zieht es im Namen des Netzwerks umher, um Patrioten und Nazis zu boxen, Graffiti zu korrigieren oder Mitarbeiter verschiedener Banken durch scheinbar entwaffnende Ehrlichkeit zum Umdenken zu bewegen.

Poetry-Slammer und Autor Marc-Uwe Kling (*1982) hat mit dem kommunistischen Känguru eine Figur geschaffen, die gesellschaftliche Fragen unserer Zeit aufgreift, hinterfragt und dazu anregt, einmal mehr um die Ecke zu denken. Charakteristisch ist neben dem angewachsenen Beutel, der so manch erstaunlichen Inhalt verbirgt, sein freches Mundwerk.

Die (Hör-)Buchreihe Die Känguru-Chroniken, welche die Grundlage für diese Theateradaption bildet, hat in den letzten Jahren nicht nur das studentische Publikum amüsiert. Für die Theaterfassung hat Marc-Uwe Kling zusätzlich eigene Lieder eingefügt. Sie zeigt philosophische und amüsante Anekdoten aus dem WG-Leben der Protagonisten.

 


Rezensionen

Geras beliebtestes Känguru hüpft nach Altenburg - Osterländer Volkszeitung 9.6.18

Ioachim Zarculea ist ein so knuffiges Känguru, das man – trotz einiger Anfälle von Boshaftigkeit – es am liebsten knuddeln möchte. Wie er mit seinen roten Boxhandschuhen über die Bühne hüpft und dem Neonazi eins auf die Nase haut, im nächsten Moment gedemütigt mit seinem Beutel über das Kontrollband am Flughafen geschoben wird und schließlich nachdenklich über Rassismus philosophiert, das ist ganz feine Schauspielkunst.

Sabine Wagner

Zwei Stunden politische und witzige Denkanstöße - Leipziger Volkszeitung 28.9.18

Regisseur Alexander Flache bleibt bei seiner Inszenierung in weiten Teilen nah an den Szenen der Bücher. Dennoch ist die gespielte Version mehr als eine Kopie. Im Stück will Marc-Uwe, der die Bezeichnung Kleinkünstler hasst, aus seinen Erlebnissen mit dem Känguru ein großes Theaterstück entwickeln.... Mit viel Witz und Spielfreude durchleben so Manuel Kressin als Marc-Uwe, Ioachim Zarculea im Kängurukostüm und Bruno Beeke als der „Typ, der alle anderen spielt“ mit Unterstützung von Musiker Marco de Haunt die Episoden erneut. Dabei bleibt der Fokus des Regisseurs vor allem auf den Themen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. Dies verleiht der Aufführung Brisanz und Aktualität, die dem Premierenbesucher ein ums andere Mal Denkanstöße liefert, aber auch dafür sorgt, dass mancher Lacher im Hals stecken bleibt.

Jörg Reuter

Mediathek

Foto: Ronny Ristok