Elling

Schauspiel von Axel Hellstenius
Nach dem Roman Blutsbrüder von Ingvar Ambjørnsen
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Ab 14 Jahren

[1 Std. 30 Min.]

 

„Die Vorstellung von Reinkarnation hat mir oft zu schaffen gemacht. Ich kann mir wirklich nur vorstellen, dass ein Typ wie ich es unendlich weit bis zum Nirwana hat.“
Elling

Trailer

Nach ihrem Aufenthalt in der Psychiatrie bekommen Elling und Kjell Bjarne ihre erste eigene Wohnung, um nach und nach wieder in das „normale“ Leben integriert zu werden. Dabei haben beide mit allerlei Problemen und ihren persönlichen Ticks zu kämpfen. Die Hürden des Alltags beginnen bereits beim Telefonieren. Die Vorstellung, mit jemandem zu sprechen, den man nicht sieht, erscheint Elling als vollkommen unnatürlich. Kjell Bjarne hingegen ist vollends begeistert von den Möglichkeiten, die das neue Medium bietet: Nächtelang hängt er am Telefon und lauscht neugierig Sexhotlines, was eine horrende Telefonrechnung zur Folge hat. Doch nach und nach gelingt es dem ungleichen Duo immer besser, sein neues Leben selbstständig zu meistern: Während Kjell Bjarne mit der hochschwangeren Nachbarin anbändelt, verfasst Elling Gedichte, die er auf Sauerkrautpackungen im Supermarkt klebt. So finden beide ihren ganz speziellen Umgang mit dem Leben „da draußen“.

Die Komödie über eine besondere Männerfreundschaft basiert auf dem Roman Blutsbrüder aus der vierteiligen Elling-Reihe des norwegischen Autors Ingvar Ambjørnsen (*1956). Die Erzählungen um das schrullige Muttersöhnchen Elling überzeichnen die kleinen Neurosen, die viele „normale“ Menschen von sich kennen. Aber was heißt schon „normal“? Mit Witz und voller Hoffnung erzählt Elling vom Festhalten und Loslassen und von der Suche nach einem Platz in der Gesellschaft.
Nach den Erfolgen Kassandra, Effi Briest und Kruso konnte Caro Thum für diese Inszenierung erneut gewonnen werden.

 


Rezensionen

Theater total - Osterländer Volkszeitung 10. Okt. 17

Caro Thum hat mit ihrer vierten Regiearbeit am Hause einen diesmal völlig anderen Stoff zu einem höchst unterhaltsamen und interessanten Theaterabend geformt. Alles Lachen des Publikums war nie die Figuren hinrichtend, es war von Anteilnahme und Verständnis geprägt. Den vier brillanten Schauspielern genügten die glasklar übersichtliche Einheitsszenerie für alle Schauplätze, trefflich charakterisierende Kostüme und einige Requisiten der fantasievollen Szenografin Anike Sedello, um einen ganzen Makrokosmos zu imaginieren.

Helmut Pock

Außen vor und mittendrin - Ostthüringer Zeitung 10. Okt. 17

Sie sind zum Knutschen, die beiden Außenseiter Elling und Kjell Barne... Caro Thum hat auch in Gera und Altenburg längst bewiesen, was für eine kluge und feinsinnige Regisseurin sie ist.... Mit „Elling“, dem Schauspiel von Axel Hellstenius nach dem Roman „Blutsbrüder“ aus der „Elling“-Reihe von Ingvar Ambjornsen, betritt Caro Thum ein neues Spielfeld, die Komödie, und beweist auch hier ihre Klasse.

Angelika Bohn

Leben jenseits der Toleranzgrenze - Freie Presse 20. Okt. 17

Es war eine bilderkräftige, hoch emotionale und berührende Sicht zu erleben.... Johannes Emmrich in der Titelrolle und Ioachim Zarculea als Kjell Bjarne stellten zwei Außenseiter als Sympathieträger vor.... Die Macken der Figuren lagen dabei weit jenseits der im bürgerlichen Leben gezogenen Grenzen der Toleranz. Das wurde erfrischenderweise nicht überspielt oder versteckt. Im Gegenteil: Die Figuren reflektierten ihr Leben als Außenseiter, blickten von draußen auf das Leben der anderen. Sie empfanden die Welt der sogenannten Normalen als Dschungel, in dem Mäuler mit Reißzähnen auf solche wie sie lauerten. Ein Perspektivwechsel, der erhellend wirkte.

Lutz Kirchner

Starke Geschichte von zwei Außenseitern - OTZ/TLZ 16.1.18

Schauspielerin Michaela Dazian stellt die beiden als bügelnde Telefonsexdienstleisterin, als Sängerin, resolute Kellnerin mit üppiger Oberweite und hochschwangere Nachbarin Reidun, die sturzbesoffen im Treppenhaus liegt, noch vor ganz andere Herausforderungen als Telefonieren und Einkaufen. Es ist erfrischend, dem Treiben zuzuschauen. So absurd das Leben der beiden Außenseiter erscheint, so skurril die Typen da gezeichnet sind, so nah ist die Geschichte doch am Leben dran. Eine tolle Inszenierung, absolut sehenswert.

Ulrike Kern

Was ist schon normal? Neues Gera 20.1.18

Ein Theaterstück, welches mit Witz und Charme eine Geschichte jener erzählt, die aus unseren gesellschaftlichen Normen fallen und bewusst Fragen stellt: Wer oder was ist normal? Wann fällt man aus dem Rahmen und ist das wirklich so schlimm?

Carli Bess Kutschera

Mediathek

© Fotos: Sabina Sabovic (Die Fotos können für redaktionelle Zwecke und Berichterstattung zum betreffenden Stück honorarfrei genutzt werden. Der/die Fotograf/in muss stets genannt werden.)