Hoffmanns Erzählungen

Fantastische Oper in fünf Akten
Libretto von Jules Barbier nach dem Schauspiel von Jules Barbier und Michel Carré
Musik von Jacques Offenbach
Herausgegeben von Michael Kaye und Jean-Christophe Keck
Deutsch von Josef Heinzelmann
Zum 200. Geburtsjahr des Komponisten

 

„Drei Frauen sind‘s von Reiz und Anmut,
Die mich mit Liebeslust erfüllten!
Soll ich euch diese tollen Geschichten erzählen?“
Hoffmann

Dem Dichter Hoffmann ist die ihn umgebende alltägliche Realität aus Schmutz, Armut und Hass unerträglich. Er flieht in die Kunstwelt des Theaters. Dort läuft Mozarts Don Giovanni mit der von ihm begehrten Sängerin Stella als Donna Anna. In der Vorstellungspause wird der unglückliche Dichter in einem Weinkeller zum Erzählen gedrängt. Und während nun nebenan Don Giovanni läuft, erzählt Hoffmann Geschichten seines von Sehnsucht und Scheitern geprägten Verhältnisses zu Frauen: Da ist zunächst die scheinbar perfekte, zum Leben erweckte Puppe Olympia, dann die kranke, vom Singen besessene Künstlerin Antonia, schließlich die unwiderstehliche venezianische Kurtisane Giulietta. Alle Geschichten enden tragisch, ja sogar tödlich. Während Hoffmann sich immer mehr im Rausch aus Alkohol und Fantasie verliert, geht die Vorstellung zu Ende und die angehimmelte mozartsche Kunstfigur rückverwandelt sich in die „reale Person“, die Sängerin Stella, die der nun völlig betrunkene Hoffmann beleidigt und düpiert. Die Muse, ständiger Begleiter Hoffmanns durch seine fantastischen Welten, hat den Dichter nun für sich allein.

Die posthume Uraufführung von Hoffmanns Erzählungen am 10. Februar 1881 in der Pariser Opera-Comique war ein kapitaler Erfolg. Bis heute erfreut sich Jacques Offenbachs (1819-1880) Meisterwerk anhaltender Beliebtheit. Duncan Hayler, bekannt für seine fantastisch opulenten Ausstattungen, schafft auch diesmal wirkungsvolle Spielräume für den Regisseur Kay Kuntze.

 



Rezensionen

Im Mega-Spinnennetz - Ostthür. Zeitung 3.12.18

Das am Theater Altenburg-Gera federführende Team um Regisseur Kay Kuntze, Ausstatter Duncan Hayler und René Grüner (Video), wird mit dem Opern-Kosmos erstaunlich gut fertig. Was hier geleistet wird, hat vielleicht sogar etwas Wegweisendes: Man belässt die aus fernen Zeiten überlieferte Vorlage im Wesentlichen, wie sie ist, setzt das Mittel der Aktualisierung sparsam und gut überlegt ein, achtet auf ein ausgewogenes Verhältnis von Ernst und Spaß, Gefühlstiefe und Schauwert und versucht nicht, alles zu ergründen – am wenigsten die in gefühlt tausend eigenen und fremden Farben schillernde Musik. Das theaterfreundliche Konzept schlägt sich sicher nicht von ungefähr in beeindruckenden Leistungen der Ausführenden nieder. Generalmusikdirektor Laurent Wagner ist in Sachen Präzision, Esprit und Dynamik eine sichere Bank. Das Philharmonische Orchester besticht mit exzellenten kammermusikalischen Details wie mit oft atemberaubender Klangpracht, und der Chor ist ein Muster an Strahlkraft und Wandlungsfähigkeit. Bewunderung nötigt die überzeugende Besetzung der zahlreichen Rollen ab. Zu den gesanglich wie spielerisch herausragenden Akteuren gehören Rebekka Reister als Kurtisane Giulietta und Alejandro Lárraga Schleske, der die vier Hoffmann-Gegenspieler verkörpert.

Volker Müller

Viermal Hoffmann, einmal Donna Anna - Intelligenter Offenbach in Gera - nmz online

Der Tribut des Theater Altenburg-Geras zum Offenbach-Jubiläum gerät zu starken Stunden, weil der inszenierende Generalintendant Kay Kuntze und der Ende der Spielzeit auf eigenen Wunsch leider scheidende GMD Laurent Wagner einen abgründig gewieften Zugriff auf „Hoffmann Erzählungen“ zeigen: Musikalisch idiomatisch, nicht zu feinsinnig, dafür mit kräftigen Pinselstrichen mit Mut zur Überfülle. Vom szenischen Reichtum an Symmetrien, Entsprechungen, Doppelungen, Parallelen und Zersetzungen einer gebrochenen Psyche, als die Hoffmann noch zwiespältiger wird, muss selbst den aufmerksamsten und kenntnisreichsten Zuschauern einiges entgehen. „Hoffmanns Erzählungen“ – in Gera ein traurig-böses Lied für Erwachsene und eine authentische Offenbachiade ...

Roland Dippel

Ein Feuerwerk an intelligenten Ideen - www.hoffmannserzählungen.de

Ein »Hoffmann«, wie man ihn selten zu sehen bekommt: une opéra vraiment fantastique. Schon bevor man die Oper betrat, bekam man den ersten Gag serviert. Ein weiterer folgte im Foyer. Und bevor die ersten Akkorde erklangen, folgte eine brillante und vor allem eigenständige Idee auf die andere. Das Bühnenbild und die Kostüme spielten kreativ mit. Das Orchester begleitete präzise, spritzig-musikantisch und kongenial, und es wurde gut gesungen, auch vom gut choreographierten Chor. Wieder einmal bewahrheitete sich die Erkenntnis des »Hoffmann«-Forschers Josef Heinzelmann: In der Provinz – sit venia verbo - wird hart gearbeitet. Wer sich diesen »Hoffmann« entgehen lässt, versäumt echt etwas. Gera liegt ziemlich nahe der Mitte Deutschlands, und diese Inszenierung ist eine Reise wert.

Gerhart Wiesend gibt der Inszenierung mit 5 Sternen die beste Bewertung = herausragend, unbedingt ansehen

Mediathek

Fotos: Ronny Ristok