Kabarett Die Distel, Berlin

„Wenn Deutsche über Grenzen gehen - oder: Das Ziel ist im Weg.“

 

Schulleiterin Marion, Pfarrer Lars und Spulenwickler Dirk beschließen den Ausstieg: Auf der Suche nach Sinn, Zeit für sich und irgendwas mit Inhalt. Als ein gewaltiges Gewitter die drei in eine verlassene Schäferhütte irgendwo im Nirgendwo spült, sitzen sie fest. Ohne Handynetz, ohne WLAN, kurz: Ohne Hoffnung auf Überleben. Jetzt haben sie Zeit – viel mehr als ihnen lieb ist.
Und plötzlich sind die Gedanken da:Klimawandel? Schneller als gedacht. Flüchtlingskrise? Größer als erwartet. Demokratieverlust? Tiefgreifender als vorhersehbar. Wo man hinguckt: Die Welt in Aufruhr! Aber Deutschland geht es doch gut und seine Bürger lassen sich bereitwillig von ihrer Kanzlerin einschläfern. Yoga statt Revolution. Ist auch gesünder. Und Rebellion macht so blöden Achselschweiß...
Zeit haben, empfindet nicht jeder als Befreiung. Zu sehr sind die Wiederholungstäter im Hamsterrad dran gewöhnt, keine Zeit zu haben. Woher soll die im Alltag auch kommen? Bei drei Jobs, zwei Familien und 365 facebook-Freunden? Wo man immer fit sein muss und sich selbst kontrollieren? Wo man als Elitepartner zu funktionieren und möglichst vegan zu sterben hat?
Stromlinienförmig ist die neue Individualität! Auch Marion und Lars leben mit Zeitfenstern, Zeitinseln und Zeitmanagement. Selbst Dirk zappt sich durch die Programme seiner gepixelten Existenz, unterbrochen nur durch Werbepausen, damit er den Anschluss an den Konsum nicht verpasst. Alle getrieben von der Angst, beim nächsten Trend nicht live dabei zu sein.
Und so werden die Stockbetten der Pilgerherberge zum Abbild des Lebens: Am Arsch der Welt lassen Marion, Dirk und Lars die Hosen runter – lassen die Seele baumeln, ihr Hirn rotieren und schütten ihr Herz aus. Überraschend, berührend – und sehr komisch.

Eine Kabarettutopie auf dem Jakobsweg.

Trailer

Auf der Bühne: Timo Doleys, Caroline Lux, Stefan Martin Müller
An den Instrumenten: Falk Breitkreuz/ Stefan Schätzke (kl, sax, fl, dr, git, voc), Til Ritter/ Guido Raschke (p, key, uk, voc)
Regie: Michael Frowin
Buch: Michael Frowin, Philipp Schaller
Weitere Texte: Timo Doleys, Thomas Lienenlüke, Martin Maier-Bode, Johannes Rehmann, Martin Zingsheim
Weitere Songs und Kompositionen: Stefan Klucke, Axel Pätz, Til Ritter
Musikalische Einrichtung und Komposition: Til Ritter
Ausstattung: Antje Gebauer
Choreografie: Regina Weber