Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung

Spiel in einem Akt
Libretto von Peter Kien · Musik von Viktor Ullmann
In der Reihe Wider das Vergessen
Zum 75. Todesjahr des Komponisten 2019
Stipendiatenprojekt der Theater-Stiftung Gera · Teil 3

 

„Du sollst den großen Namen Tod nicht eitel beschwören.“
Schlusschoral

Der Tod ist in Lethargie verfallen und ergeht sich in nostalgischer Verklärung vergangener Kriege. Der Trommler, Werkzeug des Kaisers Overall, proklamiert den totalen Krieg. Der Kaiser wiederum setzt dabei die Mitwirkung des Todes voraus. Dieser jedoch fühlt sich gegen seinen Willen vereinnahmt und tritt in den Streik. Über den Lautsprecher erfährt Overall, dass die Menschen nicht mehr sterben können. Das Land versinkt im Chaos. Im Moment des Zusammenbruchs seiner Herrschaftsordnung begegnet der Kaiser dem Tod. Dieser schlägt ihm einen Handel vor: Er sei bereit, sein Handwerk wieder auszuüben, wenn der Kaiser einwilligt, als Erster zu sterben.

Viktor Ullmann (1898-1944) komponierte den Kaiser von Atlantis 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt. Die Kammeroper ist jedoch viel mehr als nur ein zeitgeschichtliches Dokument, weil sie zeitlose ethische, philosophische und religiöse Themen behandelt: Wie ist das Verhältnis des Individuums zur Mehrheit? Welche Strukturen bestimmen das Leben? Was ist der Sinn des Lebens? Und welche Rolle spielt dabei der Tod?

Die holzschnittartige Anlage der Figuren und die parabelhaft offene Form prädestinieren dieses Werk geradezu für eine Interaktion von Puppenspiel und Musiktheater. Kai Anne Schuhmacher wird sich in ihrem dritten Projekt im Rahmen ihres Stipendiums der Theater-Stiftung Gera der Inszenierung dieser spartenübergreifenden Produktion widmen, wobei sie ihre vielfältigen Regieerfahrungen aus dem Puppen- und Musiktheater einbringen kann.