Der Misanthrop oder Der verliebte Melancholiker

Maskenspektakel nach Molière
Deutsch von Ludwig Fulda
Stipendiatenprojekt der Theater-Stiftung Gera · Teil 2

 

„Wer nicht die Gabe hat, seine Gedanken zu verstecken, hat hierzulande sehr wenig zu suchen.“
Alceste

Alceste hat genug von den Lügen, der Heuchelei und der Oberflächlichkeit am königlichen Hof. Obwohl selbst von adeliger Abstammung, möchte er sich von den Zwängen der sogenannten „besseren“ Gesellschaft lösen und beschließt, sein Leben radikal zu ändern und von nun an nur
noch die Wahrheit zu sagen – ohne Rücksicht auf Verluste. So weist er auch bald seinen besten Freund Philinte von sich, der vergeblich versucht, Alceste zur Mäßigung und zu einem gewissen Grad der Anpassung zu bewegen. Ein Mensch aber, der jedermanns Freund sein will, ist Alceste zuwider und deshalb muss Philinte gehen. Schließlich verliebt sich der wahrheitsliebende Radikalist ausgerechnet in die kokette Witwe Célimène, die sich mit ihrem flatterhaften Wesen gern in den
Mittelpunkt der höfischen Gesellschaften drängt. Alceste beginnt um sie zu werben. Doch dabei begeht er einen schweren Fehler: Er glaubt Célimène durchschauen zu können.

Molières Komödie Der Misanthrop oder Der verliebte Melancholiker, auch unter dem Titel Der Menschenfeind bekannt, begeistert seit über 350 Jahren das Publikum in aller Welt. Das Stück ist die zweite Inszenierung von Kai Anne Schuhmacher innerhalb des Stipendiums der Theater-Stiftung Gera. Diesmal taucht sie mit dem Ensemble in die Welt des Maskentheaters ein, das in der Tradition der Commedia dell’Arte verwurzelt ist. Es überzeichnet die menschlichen Gesichtszüge zu Stereotypen, fordert eine neue Körperlichkeit von den Spielerinnen und Spielern und stellt damit umso eindringlicher die Frage nach der Wahrheit unter der Oberfläche.