Die Entführung aus dem Serail

Singspiel in drei Aufzügen KV 384
Libretto von Christoph Friedrich Bretzner,
bearbeitet von Johann Gottlieb Stephanie d. J.
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

[3 Std. 10 Min., 2 Pausen]

 

„Nichts ist so häßlich als die Rache; Hingegen menschlich, gütig sein,
Und ohne Eigennutz verzeihn, Ist nur der großen Seelen Sache!“
Finale III. Akt

Konstanze, ihre Zofe Blonde sowie deren Freund Pedrillo fallen auf einer Seereise Piraten in die Hände, die sie auf einem Sklavenmarkt verschachern. So geraten sie ins Haus des türkischen Sultans Bassa Selim. Dieser verliebt sich sogleich in Konstanze und umwirbt sie mit großem Einsatz. Blonde überlässt er hingegen seinem Aufseher Osmin, der mit allen Mitteln versucht, ihre Liebe zu gewinnen. Belmonte, dem Geliebten von Konstanze, gelingt es nach langer Irrfahrt, das Serail mit den Gefangenen ausfindig zu machen. Sein Diener Pedrillo, der beim Bassa mittlerweile als Gärtner tätig ist, schleust ihn in den Harem. Die beiden schmieden einen Plan, um die stolzen und auf ihrer Treue beharrenden Frauen aus den Fängen der liebeshungrigen Türken zu befreien. Doch die Entführung scheitert und das Leben der vier Unglücklichen liegt in der Hand des Bassas.

Kaiser Joseph II. gab 1782 die Komposition der Entführung aus dem Serail in Auftrag, um der italienischen Oper eine genuin deutsche entgegenzusetzen. Sie besitzt populären Charakter, wobei die großen Themen der Liebe und Treue im Mittelpunkt stehen. Mozarts (1756-1791) Musik trägt zuweilen ernste und gefühlvolle Züge, der Grundtenor ist jedoch spielerisch und heiter. Eine Besonderheit stellte damals die „türkische“ Musik dar, die Mozart der Janitscharenmusik entlehnte und v. a. den orientalischen Figuren zur Seite stellte.

Kobie van Rensburg, weltweit gefeierter Tenor, hat zwischenzeitlich ins Regiefach gewechselt. Nach Regiearbeiten in München, Halle, Chemnitz u. a. schließt sich nun mit seiner Inszenierung der Entführung ein Kreis, denn mit diesem Werk debütierte der Südafrikaner 1991 als Belmonte an der Roodepoort City Opera.

 



Rezensionen

Entführung ins Wunderland - Thüringische Landeszeitung/ Ostthür. Zeitung 12.2.18

Man reibt sich die Ohren und die Augen nach einem Fest der Sinne von mehr als drei Stunden Güte und staunt, als Belmonte samt seiner Entourage final abhebt, wie die Zeit doch im Fluge vergeht. Langsam löst sich der Bann und mündet in eine schiere Applausorgie. - Ach, in diesen Serail möchte ein jeder gern mal entführt werden. Wer drin war, denkt nur: Da capo! Da capo!

Wolfgang Hirsch

Orientzauber - Freie Presse 23. 2.18

Der für die Inszenierung gewonnene prominente Regisseur Kobie van Rensburg bringt dabei dank virtuos gehandhabter Videotechnik traumhafte Kulissen ins Bild. Der geballte Zauber des Orients mit Palmen, Palästen, Kamelen und unentwegt durch die Lüfte rudernden Reihern stürmt da auf das Publikum ein. Das Anheimelnde setzt sich nahtlos fort in den adretten, Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelten Kostümen, die die Szene bevölkern...

Volker Müller

Mediathek

Fotos: Ronny Ristok