Eine infernalische Reise/ Letzte Lieder

Ballett mit Orchester von Silvana Schröder
In der Reihe Vom Himmel hoch – Glaube und Gesellschaft
Uraufführung

[1 Std. 35 Min., 1 Pause]

 

Musik:
Franz Liszt (1811-1886): Dante-Sinfonie
Richard Strauss (1864-1949): Vier letzte Lieder

„Und die Seele unbewacht
will in freien Flügen schweben,
um im Zauberkreis der Nacht
tief und tausendfach zu leben.“
Hermann Hesse

Trailer

In Begleitung des antiken Dichters Virgil, Personifikation der irdischen Weisheit, begibt sich Dante auf eine weite Reise. Der Weg führt die beiden durch die Hölle und das Fegefeuer bis ins Paradies. Das Leben, so die Erkenntnis, endet nicht mit dem Tod. Das Wohlergehen der Menschen im Jenseits jedoch hängt von deren Verhalten im Diesseits ab. Dante Alighieris ebenso wortmächtige wie bildgewaltige Göttliche Komödie, die antike Mythen und christlichen Glauben miteinander verbindet, entstand kurz nach 1300 und dokumentiert eindrucksvoll das Weltbild der Spätgotik.

160 Jahre nach ihrer Uraufführung ist Liszts Dante-Sinfonie Inspirationsquelle und musikalische Grundlage für ein neues Ballett von Silvana Schröder. Das Epos sowie die kongeniale Komposition Liszts werden, durch die Mittel des Tanzes in Raum und Zeit greifbar gemacht, zu einem choreographisch-visuellen Erlebnis.

Tiefgreifende Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Endlichkeit allen Seins stellt auch Richard Strauss in den Vier letzten Liedern, die er 1948 in baldiger Erwartung seines baldigen Todes zu Gedichten von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff komponierte. Als erstes deutsches Ballettensemble wagen das Thüringer Staatsballett und Silvana Schröder eine tänzerische Interpretation dieser vier so persönlichen wie virtuosen Lieder – „Frühling“, „September“, „Beim Schlafengehen“ und „Im Abendrot“. Hierbei verschmilzt die zeitlose Schönheit der Musik mit der unendlichen Vielseitigkeit und Ausdruckskraft menschlicher Bewegung.

 



Rezensionen

Richard Strauss in Mohnrot - Leipziger Volkszeitung 6.6.17

Am Ende verbeugt sich mit dem Thüringer Staatsballett auch das Philharmonische Orchester auf der Bühne des Theaters Gera. Das ist mehr als eine Geste: Der symphonische Tanzabend gerät zur absolut runden Gesamtleistung mit einer kleinen Sensation. Erstmals erhält eine deutsche Kompanie die Erlaubnis zur Verwendung von Richard Strauss‘ „Vier letzte Lieder“, die Transformation und Lebensabschied so schönheitstrunken feiern. In Gera singt das Anne Preuß morgendlich leuchtend und mit ebenso leuchtender Fülle: „Ist dies etwa der Tod?“ lautet bei Strauss mit einem Vers Joseph von Eichendorffs die letzte Frage. Drei Paare und die gesamte Kompanie durchleben auf einer frühlingsgrünen Wiese Vereinigung, Verlust und Abschied.

Roland H. Dippel

Bildgewaltiger Ballettabend begeistert - Ostthüringer Zeitung 6.6.17

Ein klassisches Ballett, das weitgehend auf Handlung verzichtet und dennoch Geschichten erzählt, die berühren, verstören, fesseln, das hat Silvana Schröder, zumindest am Theater Altenburg-Gera, so noch nicht inszeniert. Die Direktorin des Thüringer Staatsballetts präsentiert mit ihrem zweiteiligen Ballettabend "Eine infernalische Reise/Letzte Lieder" eine neue Facette ihres ohnehin vielseitigen Schaffens. Und trifft damit den Nerv des Publikums, das die Uraufführung Freitagabend im Theater Gera mit Riesenapplaus und Bravos feierte.

SAbine Wagner

Silvana Schröder "Eine infernalische Reise /Letzte Lieder" - tanz 3/2018

Silvana Schröder bebildert die "Göttliche Komödie" nicht ... Vielmehr bleiben die Visionen der Ballettdirektorin bei aller Virtuoisität abstrakt und lassen die Nahtod-Erfahrungen Dantes eher als kollektives Schicksal spüren, aus dessen Mitte sich Einzelne durchaus herausheben können. So profiliert sich Hudson Oliveira auch ohne Dante-Maske immer wieder als Protagonist des Abends .... Silvana Schröder hat den Chor auf dem Rang postiert, und freischwebend kann sich sein Klang so entfalten, als wär er schon nicht mehr von dieser Welt. Ganz wie der Tanz, der alle Bodenhaftung ignoriert, um völlig losgelöst auch dem letzten Zuschauer das Transitorische bewusst zu machen ...

Hartmut Regitz

Der Tod bleibt ein Geheimnis - Osterländer Volkszeitung 27.3.18

Dass dieser sinfonische Tanzabend zu einem berührenden Gesamtkunstwerk wird, ist dem grandiosen Zusammenwirken aller Beteiligten zu verdanken: dem Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera unter Leitung von Takahiro Nagasaki, den Damen des Opernchores von Theater und Philharmonie Thüringen, der fantastischen Sopranistin Anne Preuß, einem stimmigen Bühnen-, Licht- und Laser-Konzept (Andreas Auerbach) und dem Thüringer Staatsballett mit seiner Direktorin Silvana Schröder.... Zum Schlussapplaus sind auf der Bühne alle Künstler vereint und feiern mit dem Publikum einen großartigen Abend.

Sabine Wagner

Mediathek

Fotos: Ronny Ristok