Leonce und Lena

Eine Polit-Satire von Georg Büchner []

 

„Wer arbeitet, ist ein Schuft!“
Prinz Leonce


Leonce ist Kronprinz vom kleinen Königreich Popo. Gelangweilt von seinem ereignislosen, vorhersehbaren Leben spielt er melancholisch auf seiner Gitarre. Das Erscheinen eines komischen Kerls, der sich Valerio nennt, verspricht Abwechslung und belebt Leonces tristen Alltag. Als der Kronprinz jedoch seinen adeligen Pflichten nachkommen und die ihm unbekannte Lena vom Königreich Pippi heiraten soll, flieht Leonce mit Valerio nach Italien. Unterdessen ist auch Prinzessin Lena mit ihrer Gouvernante auf der Flucht vor der arrangierten Ehe. Die beiden Königskinder treffen unterwegs aufeinander. Ohne zu wissen, mit wem er es zu tun hat, verliebt sich Leonce Hals über Kopf in Lena.

Georg Büchner, selbst jung verstorben, hat eine bissige Komödie geschrieben, die voll skurriler Charaktere ist. Die Regisseurin Catherine Umbdenstock hat mir ihrer Besetzung die Rollen noch mehr auf den Kopf gestellt: So wird Valerio von einer Frau, Rosetta hingegen von einem Mann gespielt. Leonce und den König hält man auf den ersten Blick auch nicht für Vater und Sohn.
Das Spiel mit der ethnischen Herkunft und den Geschlechtern spiegelt auch die Unsicherheiten der jungen Protagonisten: „O, wer einmal jemand Anders sein könnte!“, klagt Leonce. Das Gefühl der Verlassenheit, der Nutzlosigkeit des eigenen Daseins ist symptomatisch für das 21. Jahrhundert. „Wir sind die Zweitgeborenen der Geschichte (…) ohne Zweck, ohne Ziel. Wir haben keinen großen Krieg, keine große Depression. Unser großer Krieg ist ein spiritueller, unsere große Depression ist unser Leben.“ (Fightclub)
Trotz der melancholischen Grundeinstellung des Prinzen, verspricht der Theaterabend ein heiterer zu werden, nicht zuletzt weil dem Stück beigefügte Lieder der letzten Jahrzehnte die Stimmung immer wieder auflockern. 

 


Rezensionen

Müßiggang ist aller Laster Anfang · Ostthüringer Zeitung 23.3.2015

Die Generation Null-Bock gab es also schon damals, oder gehört die Sinnsuche schlichtweg und dauerhaft zum Erwachsenwerden dazu? Jedenfalls funktioniert "Leonce und Lena" auch im 21. Jahrhundert bestens. Das Gefühl der Nutzlosigkeit der eigenen Person und Perspektivlosigkeit einer Generation ist noch immer da. Catherine Umbdenstock bedient sich außerdem mehrerer zeitgenössischer Musikstücke, um die Satire ins Heute zu holen.

Ulrike Kern

Turbulente Farce aus alter Zeit · Freie Presse 26. 3.15

Die viele Bewegung und auch Musik - vor allem Reinheimer leistet auf der Gitarre und am Schlagzeug Großartiges - lassen die knapp anderthalb Stunden zweifellos unterhaltsam werden... Akzeptabel ist der vom Autor abweichende Schluss. Das Groteske von "Leonce und Lena" wird konsequent auf die Spitze getrieben.

Volker Müller

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