• Masepa

    Oper von Peter Tschaikowski

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    Oper von Peter Tschaikowski

  • Masepa

    Oper von Peter Tschaikowski

  • Masepa

    Oper in drei Akten
    Libretto von Peter Tschaikowski und Viktor Burenin
    nach dem Gedicht Poltava von Alexander Puschkin
    Musik von Peter Tschaikowski
    In deutscher Sprache

    • Sa 24.06.2017 / 19:30 Uhr
      Großes Haus Gera

     

    „Durch das dunkle Laub der Bäume
    lugt der Mond ins Kämmerlein.“
    Maria

    Masepa, Oberbefehlshaber der ukrainischen Kosaken, liebt Maria. Deren Eltern, der vermögende Gutsherr Kotschubej und seine Frau Ljubow, reagieren entsetzt auf diese Nachricht und versuchen die Beziehung der Beiden zu unterbinden, ist Maria doch wesentlich jünger als Masepa und außerdem dessen Patentochter. Auch Masepas Hinweis, die Liebe beruhe auf Gegenseitigkeit und Maria sei vielleicht von ihm schwanger, beruhigt die Situation nicht. Die Eltern stellen Maria vor eine äußerst schwierige Wahl: Bleibt sie bei ihrer Familie und auch bei ihrem Jugendfreund Andrej, oder entscheidet sie sich für Masepa, den sie liebt, und wird dafür von ihrer Familie verstoßen? Marias Flucht mit ihrem Geliebten setzt eine schier endlose Spirale von Intrigen, Gewalt, privaten und politischen Machtspielen, Verrat, Verletzungen und Tod in Gang. Trotz der unzähmbaren Brutalität, die ihn bis zur Selbstvernichtung führt, wirbt Masepa um Verständnis, dass seine Liebe zu Maria echt und gut ist. Zurück bleibt Maria, die in geistiger Umnachtung ein berührendes Wiegenlied anstimmt.

    Peter Tschaikowski (1840-1893) berührte Masepas Schicksal persönlich in zweierlei Hinsicht. Zum einen waren seine Vorfahren, ukrainische Kosaken, selbst in der Schlacht gegen die Schweden bei Poltawa 1709 umgekommen. Er kannte die Gegend gut. Zum anderen fand er sich, wie persönliche Briefe aus dieser Zeit bezeugen, mit seiner eigenen unbewältigten emotionalen Verwirrung in den moralischen Zweifeln der Protagonistin wieder.

    Die 1884 in Moskau uraufgeführte, von großer Leidenschaft und Tragik geprägte Oper stand zuletzt in der Spielzeit 1948/49 in Gera auf dem Spielplan.

     


    Rezensionen

    In den Mühlen des Militarismus - Ostthür. Zeitung 2. Mai 17

    Vorsicht, die emotionale Beanspruchung ist für empfindsame Gemüter extrem! Das liegt daran, dass Kuntze das weiträumige Zeitpanorama samt Schlachtengemälde mit ungeheuerlicher Stringenz kammerspielartig verdichtet und dass GMD Laurent Wagner die vorzüglich einstudierte Musik, die den Großwerken des Komponisten in nichts nachsteht, mit der idealen Balance aus kalkuliertem Effekt und glutheißer Leidenschaft dirigiert. Da bleibt kein Auge trocken, und es dauert eine qualvolle Weile, bis sich nach Marias anrührendem Schlussgesang die Schockstarre im Saal löst und in tosendem Beifall entlädt. Nein, gratulieren muss man Anne Preuß, zu welch einer famosen Sängerdarstellerin sie sich entwickelt hat. Sie singt ihre Partie der Maria tapfer und präzise mit psychologischem Einfühlungsvermögen. Kuntze und Martin Fischer, sein kongenialer Ausstatter, subsumieren in dieser Inszenierung 300 Jahre martialischen Menschengeschicks zur zeitlosen Warnung. Und sie demaskieren – mit anspielungsreichen Bildideen – einen gesellschaftlich inhärenten Militarismus als Keim allen Übels. Es ist ein Fanal – und ein überwältigend starkes Theatererlebnis!

    Wolfgang Hirsch

    Machtmenschen lieben nur sich selbst - Die deutsche Bühne online

    Eindringlich beginnt Peter Tschaikowskis selten gespielte Oper „Masepa“ und so wird es die folgenden drei Stunden bleiben. Kuntze zeigt zwei Machtmänner, wie es sie auch heute wieder gibt, die blindlings und voller Wut aufeinander losschlagen, koste es, was es wolle. Die Klänge in Tschaikowskis 1884 uraufgeführter Oper sind vielgestaltig: Mal elegisch, dann voller Energie, triumphierend aufbrausend, dann fein gezeichnet. Instrumentalsoli setzen über dem Orchesterklang feine Akzente, aber noch das Heitere klingt immer dunkelgesäumt. All diese Facetten arbeitet das Orchester unter GMD Laurent Wagner wunderbar heraus und trägt die Sänger. -Das Publikum holte spürbar erst mal Luft, ehe die ersten Bravos kamen.

    Ute Grundmann

    Tschaikowskis Masepa. Ein Kriegsstück - MDR Kultur 29.4.17 15.45 Uhr

    Eine grandiose Musik. Laurent Wagner dirigierte die Oper fabelhaft. Er vermeidet alles Süßliche und falsch Pathetische, das so oft an Tschaikowskys Musik klebt. Er dirigierte einen kraftvollen, entschlackten, straffen, sehr dramatischen, außerordentlich durchsichtigen Tschaikowsky. Diese Lesart ist außerordentlich mitreißend, glasklar und doch voller Emotionalität, aber eben keiner falschen Gefühligkeit. Das Philharmonische Orchester Altenburg –Gera folgt der Stoßrichtung Laurent Wagners mit erstaunlicher Präzision und großer Klangpracht. Johannes Beck ist als Mazeppa zwar viel zu jung, aber als Heldenbariton hat er die nötige glaubwürdige Autorität. Auch der Bassist Ulrich Burdack als sein Gegenspieler Kotschubej ist in seiner schlichten Robustheit rollendeckend.

    Dieter David Scholz

    Unverständliche Liebe - Neue Musikzeitung online

    Die Katastrophenspirale rast ins Bodenlose ohne Lust, Freude, Bewusstsein oder Verständigung zwischen den Figuren. Die Schlüsselszene, in der die vor Liebe blinde Maria von ihrer Mutter Ljubow aufgerüttelt wird, ragt darin auf wie ein Fels in der Brandung. Die Geraer Produktion schafft Klarsicht auf das nachtgraue Fresko einer Liebe am Abgrund und vieler Todesopfer. Laurent Wagner, Kay Kuntze und Martin Fischer gehen der Fragwürdigkeit von Tschaikowskis gnadenloser Musiktragödie auf den Grund. Das gelingt ihnen ohne gefühlige Schleier.

    Roland H. Dippel

    Masepa - Der neue Merker online 23. 5.17

    Johannes Beck als Masepa singt einen kernigen Bariton, der aber auch die lyrischen Stellen dieser Oper prägnant umzusetzen weiß. Sicher ist er für die Rolle noch zu jung, spielerisch versteht er es aber ausgezeichnet, diesen machtgierigen Militärführer umzusetzen. Sein Gegenspieler Kotschubej gespielt von Ulrich Burdack passt für die Rolle des besorgten Vaters genau. Er ist im Machtspiel, der von Anfang an Unterlegene. Mit seiner Arie vor der Hinrichtung erreicht er die Herzen der Zuschauer. Intendant Kay Kuntze schafft gemeinsam mit seinem Bühnenbildner Martin Fischer starke atmosphärische Bilder und eine Inszenierung, die unter die Haut geht und nicht mehr so schnell aus dem Zuschauergedächtnis schwindet. Das Theater Gera ist mit Masepa ein kalkuliertes Risiko eingegangen und das Ergebnis ist unbedingt sehenswert. Das sieht auch das Publikum so und spendet dafür viel Beifall.

    Thomas Janda

    Masepa - Das Opernglas 6/17

    Mit unerbittlicher Stringenz entwirft Regisseur Kay Kuntze in seiner Inszenierung Bilder des Schreckens, die eindrucksvoll beklemmend vorführen, wie kleinste private Befindlichkeiten zweier Machtbesessener in eine völkerrechtliche Apokalypse umschlagen können. Martin Fischer hat ihm einen zeitlosen machtprunkenden Marmorpalast auf die Bühne gestellt, von dem am Ende nichts als Trümmer übrig bleiben. Die eindringlichen Bilder stellen den Zuschauer auf die emotionale Zerreißprobe, treffen mitten ins Herz und sind ein Aufschrei, ein Wachrütteln gegen das Abstumpfen gegenüber der ungebrochenen Inflation an Bildern von Krieg und Elend in den aktuellen Tagesnachrichten. Alles in allem eine düstere, packende Produktion, die wie üblich am zivilcouragierten Geraer Theater hoch aktuell und brisant ist.

    Daniel Hirschel

    Masepa - Der Neue Merker 5/17

    Eigentlich müsste das Stück "Maria" heißen, denn ihre Entscheidung im 1. Akt, Masepa zu folgen, löst eine Lawine aus. Anne Preuß erwies sich in dieser Partie einmal mehr als zuverlässige Stütze des Ensembles. Sie hat große Bögen zu singen, muss sich in extremen Lagen bewähren und ist darstellerisch voll gefordert. Absolut überzeugend gelang ihr die Schlussszene, in der sie das Kindliche der Musik in berückend schönen Tönen ausdrückte. Holger Krause hatte die Mitglieder des Chores bestens auf die Aufgaben vorbereitet. Man hatte den Eindruck als stünden 50 bis 60 Choristen auf der Bühne. Die musikalische Leitung lag in den Händen von GMD Laurent Wagner. Sein Dirigat fing die sehr unterschiedlichen Stimmungsbilder der Partitur hervorragend ein. Das Orchester überzeugte durch seine Homogenität und auch dadurch, dass es Tschaikowskis unverwechselbare musikalische Sprache, für die Schwermut, Folkloristisches, aber auch kämpferisches Feuer charakteristisch st, engagiert zu Gehör brachte. Das Premierenpublikum dankte mit lang anhaltendem Beifall.

    Christoph Suhre

    Mediathek

    © Fotos: Sabina Sabovic (Die Fotos können für redaktionelle Zwecke und Berichterstattung zum betreffenden Stück honorarfrei genutzt werden. Der/die Fotograf/in muss stets genannt werden.)