• Endstation Sehnsucht

    Drama in drei Akten von Tennessee Williams

  • Endstation Sehnsucht

    (A Streetcar Named Desire)
    Drama in drei Akten von Tennessee Williams
    Deutsch von Helmar Harald Fischer

    • Fr 28.04.2017 / 19:30 Uhr
      Großes Haus Altenburg

     

    „Ich habe mich immer auf die Freundlichkeit
    von Fremden verlassen.“
    Blanche DuBois

    Nach dem Verlust des elterlichen Hofs und ihrer Anstellung als Lehrerin, sucht Blanche Zuflucht und Sicherheit bei ihrer Schwester Stella. Nur noch ein Koffer voller vornehmer Kleider ist ihr aus der gutbürgerlichen Vergangenheit geblieben. Doch Stella hat sich inzwischen ein bescheidenes Leben mit ihrem Mann Stanley Kowalski, Sohn polnischer Einwanderer, in New Orleans aufgebaut und verleugnet ihre wohlsituierte Herkunft. Schnell muss Blanche erfahren, dass ihre unerwartete Ankunft nicht reibungslos verläuft. Die Wohnung im Arbeiterviertel ist klein und die konträren Gemüter erhitzen sich schnell. Gerade mit Stanley gerät Blanche immer wieder in Streit. Er verachtet ihre Großstadtattitüden. Für Blanche wiederum ist der Ehemann ihrer Schwester ein ausgesprochener Macho und der Inbegriff des Proletariats. Doch als Stanley herausfindet, warum Blanche ihren Job verloren hat, besitzt er ein entscheidendes Druckmittel gegen sie. Vom Trauma ihrer Vergangenheit eingeholt, leidet Blanche zunehmend an Realitätsverlust.

    Tennessee Williams’ (1911-1983) Drama wurde 1947 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet und zählt neben Die Glasmenagerie und Die Katze auf dem heißen Blechdach zu den bekanntesten Werken des Autors. Das Drama beschreibt die Hinwendung einer Verzweifelten in den Wahnsinn als einzig verbleibenden Sehnsuchtsort. Als soziale und psychologische Studie verfolgt es die Selbstzerstörung
    Blanches, die insbesondere in ihrer Rolle als Frau an den gesellschaftlichen Zwängen scheitert.

    Der renommierte griechische Schauspieler und Regisseur Akillas Karazissis hat sich in der vergangenen Spielzeit bereits dem archaischem Stoff der Bluthochzeit angenommen und mit einem internationalen Ensemble, Improvisationen und Musik eine emotionale und kraftvolle Inszenierung geschaffen.

     


    Rezensionen

    Wahnsinn als Rettungsanker - Freie Presse 26. 4.17

    Eine tieftraurig stimmende und höchst aktuelle Warnung vor eitler Selbstüberschätzung und der bis ins Zwischenmenschliche vordringenden Entsolidarisierung unter dem Druck alles penetrierender Wirtschaftlichkeit. Das großartige Schauspielerensemble um Anne Diemer gab den Trumpf in der Inszenierung ab. Es gelang ein Theatererlebnis, das Wahrhaftigkeit und Anliegen transportierte. In kraftvoller Körperlichkeit, sorgfältiger Textbehandlung und eingängiger Symbolik vollzogen die Akteure den moralischen Bankrott einer unteren Mittelschicht. Karazissis gewährte dem Publikum kaum Schonung. Einzig die finale Vergewaltigungsszene ließ der Regisseur nur andeuten. Das Gezeigte bewegte die Zuschauer bei der Premiere am Sonntagabend spürbar. Der reiche Applaus nach dem Finale des mehr als dreistündigen Dramas bewies das.

    Lutz Kirchner

    Mediathek

    © Fotos: Sabina Sabovic (Die Fotos können für redaktionelle Zwecke und Berichterstattung zum betreffenden Stück honorarfrei genutzt werden. Der/die Fotograf/in muss stets genannt werden.)