Weiße Rose

Szenen für 2 Sänger und 15 Instrumentalisten
(Neufassung 1985)
Libretto von Wolfgang Willaschek
Musik von Udo Zimmermann
Zum 75. Gedenkjahr an die Widerstandsbewegung
Ab 13 Jahren

  • So 25.02.2018 / 18:00 Uhr
    Bühne am Park Gera

 

„Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte.“
Sophie Scholl

Trailer

Ab Sommer 1942 verbreitete die studentische Widerstandsgruppe „Die Weise Rose“ im süddeutschen Raum Flugblätter gegen Hitler und das nationalsozialistische Regime. Sie forderte darin zunächst zum passiven Widerstand auf, aber schon bald auch zum Sturz der Regierung. Die Flugblätter waren mehr als nur ein Aufstand des Gewissens. Sie waren politisch hoch motiviert und entstanden aus der Überzeugung heraus, dass man nicht mehr schweigend zuschauen dürfe, sondern Widerstand gegen das verbrecherische System leisten müsse. Die fünf Münchner Studentinnen und Studenten sowie ihr Professor bezahlten diese Überzeugung mit ihrem Leben. Sie wurden 1943 zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Udo Zimmermann (*1943) skizziert mit Weiße Rose eine „innere Handlung“: „Mich bewegte weniger die Frage nach der Bewältigung von Faschismus als die, wie wir mit Wahrheit umgehen“, so der Komponist. „Wir fragten uns, was man getan hätte, wäre man damals selbst in einer solchen Situation gewesen. Und: Was tut man heute zwischen Tatbereitschaft und Opportunismus? Man kann die Wahrheit nur finden, wenn man ständig sein Gewissen prüft, persönliche Verantwortung empfindet.“ Die facettenreiche Partitur bewegt sich zwischen musikalischem Aufschrei und innerer Stille. Die Uraufführung fand 1986 in Hamburg statt; seitdem gehört das Werk zu den erfolgreichsten deutschen Nachkriegsopern.

 


Rezensionen

Gewagtes Stück packend inszeniert - Ostthüringer Zeitung 12. 2.18

Die mit großer Hingabe agierenden Darsteller werden nicht zu grenzgängerischen Aktionen genötigt, sondern zeichnen sich durch eine sparsame, natürlich bleibende Mimik und Gestik aus. Dennoch – ein echtes Markenzeichen – heben sich die emotionalen Unterschiede zwischen den Szenen scharf ab. Die höhensichere Emma Moore pflegt dabei eine facettenreiche, auch das Grelle und Schneidende gekonnt mit einbringende Gesangskunst, während Florian Neubauer wohl seine besonderen Stärken im Rezitativischen und in der akribischen Textausdeutung hat. Takahiro Nagasaki als musikalischer Leiter des Abends wie die 15 Instrumentalisten des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera tragen souverän ihren Teil zu einer packenden Wiedergabe der anspruchsvollen Partitur bei.

Volker Müller

Requiem mit mehr Traurigkeit als Trost - Leipziger Volkszeitung 12.2.18

Juliane Stephan eröffnet den Solisten vor allem einen Pfad durch das Ausdrucksspektrum vom „wachen Herz“ zur „Vision vom Ende“. Bei Emma Moore merkt man das genau stimmige, leichte vokale Flirren hinter dem jungen gesunden Sopran. Florian Neubauer zeigt, dass er viel mehr an Nachdruck und Differenzierung modellieren kann als ein nur perfekt runder Bariton. Diese beiden jungen Sängerdarsteller stellen sich intensiv und kongruent der inneren Dramaturgie, das hört und sieht man in jeder Sekunde. Zimmermanns kantabel gedachte Instrumentation mit ihren wirkungsvollen Gemischen für Harfe, Klavier und Schlagwerk findet in Takahiro Nagasaki einen Dirigenten, der Rundung und Reibung genau ausbalanciert. Die 15 Musiker aus dem Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera sind prächtig disponiert. „Weiße Rose“ erfährt in Gera die Überhöhung zum deutschen Requiem mit mehr Traurigkeit als Trost und dem Aufruf zum Widerstand gegen Antihumanität gestern, heute, morgen.

Roland Dippel

Mediathek

Fotos: Ronny Ristok