1. Philharmonisches Konzert 2017/18

In Kooperation mit den ACHAVA Festspielen Thüringen und Deutschlandfunk Kultur
In der Reihe Vom Himmel hoch – Glaube und Gesellschaft

  • Do 07.09.2017 / 19:30 Uhr
    Konzertsaal Gera

 

„Die Blätter – verboten. Der Himmel – verboten.
Aber einander umarmen, leise,
das dürfen, das können wir noch.“
Aus Babi Jar von Jewgeni Jewtuschenko, übersetzt von Paul Celan

  • Aram Chatschaturjan (1903-1978): Adagio aus dem Ballett Spartacus
  • Tichon N. Chrennikov (1913-2007): Klavierkonzert Nr. 2 C-Dur op. 21
  • Dmitri Schostakowitsch (1906-1975): Sinfonie Nr. 13 b-Moll op. 113 Babi Jar für Bass, Männerchor und Orchester

Die Oktoberrevolution 1917 brachte auch für die Kultur weitreichende Veränderungen mit sich. In der Sowjetunion tätige Künstler wurden in den folgenden Jahrzehnten zensiert, verfolgt, mussten fliehen, leisteten Widerstand oder passten sich den staatlichen Vorgaben an. Auch 100 Jahre später sind die Auswirkungen dieser Ereignisse unverkennbar, in der Rückschau auf Leben und Werk einer großen Komponistengeneration – und in der Rezeption im Westen.

Im Fall von Tichon N. Chrennikov, des Generalsekretärs des Komponistenverbandes der Sowjetunion (1948-1992), scheint der Tatbestand eindeutig: er setzte die Vorgaben des Machtapparats um. Doch zugleich engagierte er sich mutig gegen Antisemitismus und setzte sich für Kollegen wie Schostakowitsch ein. Mit der deutschen Erstaufführung seines 2. Klavierkonzerts wollen wir ihn als Komponisten vorstellen.

Schostakowitschs 13. Sinfonie Babi Jar entstand in der Tauwetterperiode nach Stalins Tod. „Ihre Themen sind Antisemitismus, politischer Witz, Ausbeutung der Frau, Unterdrückung und Karrierismus – eine ausgeprägt politische Sinfonie also“ (Bernd Feuchtner). Babi Jar ist der Name einer Schlucht bei Kiew, in der 1941 ein SS-Kommando 34000 Juden erschoss. Das Mitfühlen mit den Opfern wird verknüpft mit der Anklage gegen russische Antisemiten. Die Uraufführung 1962 wurde als tönender Appell für ein friedliches Miteinander interpretiert und geriet zu einem triumphalen Erfolg für den Komponisten.

Jascha Nemtsov wurde 1963 im sibirischen Magadan geboren. Er ist seit 2013 Professor für Geschichte der jüdischen Musik an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar. Als Pianist nahm Nemtsov über 30 CDs mit zahlreichen Ersteinspielungen auf; er ist außerdem künstlerischer Leiter der ACHAVA Festspiele Thüringen.

Der Männerchor des Gottesmutter-Klosters Kasan ist als kultureller Botschafter der autonomen russischen Republik Tatarstan auf Einladung der Thüringer Staatskanzlei zu Gast in Thüringen.

Das Konzert wird von Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet und am 6. Oktober 2017 um 20:03 Uhr gesendet.