Jekyll & Hyde

Musical in zwei Akten nach der Novelle Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson
für die Bühne konzipiert von Steve Cuden und Frank Wildhorn
Buch und Liedtexte von Leslie Bricusse
Musik von Frank Wildhorn
Orchestrierung von Kim Scharnberg
Arrangements von Jason Howland
Deutsch von Susanne Dengler und Eberhard Storz [, 1 Pause]

 

„Ich muss erfahr’n, welch Dämon unsre Seelen stets gefangen hält.“
Dr. Henry Jekyll


Gut und Böse. Dieser Zwiespalt im Menschen lässt Dr. Henry Jekyll keine Ruhe. Der Wissenschaftler möchte das Böse vom Guten abspalten, um das Leben einfacher zu gestalten. Dieser radikale Forscherdrang stößt jedoch in der strengen, viktorianischen Gesellschaft auf große Ablehnung. Seine Experimente werden ihm verboten. Einzig seine Verlobte Lisa und sein guter Freund und Anwalt John Utterson stehen zu ihm. Heimlich testet er an sich selbst sein entwickeltes Medikament, das ihn in Mr. Edward Hyde verwandelt. Hyde ist skrupellos und gewalttätig: Er mordet und vergreift sich an der Prostituierten Lucy. Gleichzeitig offenbart er, dass auch die feinen Herrschaften hinter der Fassade Dreck am Stecken haben und die Mädchen der Nacht redliche Wünsche für ihr Leben. Jekyll kann sich immer weniger gegen Hyde durchsetzen, wird immer abhängiger von der Droge bis ihm letztendlich nur der Tod Erlösung bietet. Das düstere und neblige London des späten 19. Jahrhunderts bildet die Kulisse für diesen Krimi.

Schonungslos-fortschrittlich, aber im Ausleben unterdrückter Triebe erschreckend egoistisch – der Protagonist aus Stevensons (1850-1894) Novelle wirkt auf uns bis heute faszinierend und abstoßend zugleich. Wildhorns (*1959) Pop-Rock-Musical transponiert diese Ambivalenz mit großen, klanggewaltig-düsteren Balladen mitreißend und fesselnd in die Gegenwart.

 



Rezensionen

Höllenfahrt eines Gentleman · Thür. Landeszeitung 1. 12. 2014

Mit kopulatorischer Lust rammt Edward Hyde der Prostituierten Lucy seinen Dolch in den Leib. Ganz nach vorn tritt der monströse Fiesling an die Rampe, auf einem Steg über dem Orchestergraben. Dann fasst er sein Opfer und setzt ihm kaltblütig die Klinge an den Hals. Ein ovaler Schnitt - und ein feines Rinnsal Bluts und die arme Seele verlassen den geschundenen Körper. Wenig später steht Hyde alias Jekyll mit der bürgerlich-biederen Lisa vorm Traualtar. Er sehnt sich nach Erlösung ... Spätestens nach dieser Szene wissen die Geraer Zuschauer, was Schauerromantik bedeutet. Ihr Intendant Kay Kuntze hat "Jekyll & Hyde" (1990), die moderne Musical-Adaption des Stevenson-Klassikers von Frank Wildhorn und Leslie Bricusse, inszeniert - mit aller und vor allem beleuchtungstechnischer Raffinesse, mit viel Tempo und faszinierenden Bildern und mit einer emotionalen Sogkraft, die Schauder über den Rücken jagt. So kalkuliert und effektvoll Kuntze den eindimensionalen Thriller vom Gut-Böse-Dualismus der menschlichen Existenz erzählt, so einfach und eingängig erzeugt die wohlig arrangierte, völlig schmerzfreie (Pop-) Musik ein empathisches Soundbett. Keine Frage, diese Produktion ist der Knüller der Saison. Für die Premiere gab es minutenlang Standing Ovations, und ein Hauch von Broadway wehte durch Geras Musentempel.

Wolfgang Hirsch

Gut und böse - ein Fest fürs Auge · Ostthür. Zeitung 1. 12. 2014

Generalintendant Kay Kuntze, der Diamond und Rades als Gäste und das Musical "Jekyll & Hyde" der Broadway-Füchse Leslie Bricusse (Buch und Liedtexte) und Frank Wildhorn (Musik) nach Ostthüringen holte, hat alles richtig gemacht. Seine Inszenierung muss den Vergleich mit großen Produktionen in Hamburg oder Berlin nicht scheuen. Außer ensuite Geld in die Kasse zu spülen, hat sie alles, was die auch haben: eine mit Liebe, Sex und Crime aufgeladene Geschichte, großen Orchestersound, echte Sänger-, Tänzer- und Darstellerstars, Ballett, Chor und eine absolut atemberaubende Ausstattung.

Angelika Bohn

Das Grauen im Glanzlicht · Freie Presse 3. 12. 2014

In Gera gelingt eine stimmige Inszenierung des Broadwayerfolgs, die - wie der überwältigende Premierenbeifall signalisiert - breite Publikumskreise ansprechen dürfte. Der Abend bringt für jeden etwas, vermag zu unterhalten wie zu erschüttern.... Der opulente Bilder und Action liebende, Musicalfan, der Freund des Horrorfachs wie der eingefleischte Theatergänger kommen auf ihre Kosten. Mit Randy Diamond gastiert ein in der Rolle der Herren Jekyll und Hyde geübter Darsteller, der als ehemaliger Tänzer hervorragend geeignet ist, die Turbulenz, das Doppelbödige dieser Aufgabe - einschließlich der verblüffend einfach gelösten Verwandlung auf offener Szene - zu meistern. Diamond steht ein fabelhaft spielendes Ensemble zur Seite, das auch der eine Menge Stile verwebenden, sich gern eines vollen, dunkel gefärbten Sounds bedienenden Musik gewachsen ist. Der erfahrene Thomas Wicklein präsentiert sich als musikalischer Leiter ohne Fehl und Tadel, das Philharmonische Orchester agiert brillant, der Opernchor macht seine Sache musikalisch und als illustres Abbild des gesellschaftlichen Umfelds gut. Besondere Glanzlichter setzt das am Theater Altenburg-Gera angesiedelte Thüringer Staatsballett, das in der Choreografie Anna Lisa Cantons glutvolle Musicalkost bietet und darüber hinaus manche szenische Raffinesse beschert.

Volker Müller

Jekyll & Hyde in Gera · Thüringer Allgemeine 2. 12.14

Natürlich stehen Schauwert, großer Auftritt, große Emotionen an erster Stelle, doch Kuntzes Inszenierung verliert die Moral nie ganz aus den Augen.

Angelika Bohn

Opulente Bildwelten, aber wenig Schrecken · Musicals 2/2015

Wie dicht Gut und Böse beieinanderliegen, zeigt auf beeindruckende Weise die aktuelle "Jekyll & Hyde" - Produktion an den Bühnen der Stadt Gera .... Die Aufführung zeigt in starken Bildern, dass dieses Experiment - Gut und Böse zu trennen - nicht zu steuern ist. Ein Zwiespalt, an dem das Individuum in der Gesellschaft zerbricht. Kuntze macht die Janusköpfigkeit dieser Gesellschaft deutlich, lässt somit viel Raum für eine aktuelle Lesart beim Zuschauer.

Lutz Hesse

Jekyll und Hyde im Kampf · Osterländer Volkszeitung 15.12.15

Der hiesige Generalintendant Kay Kuntze hat sich des Stoffes angenommen und mit dem Bühnen-und Kostümausstatter Duncan Hayler eine Musicalproduktion geschaffen, die in ihrer Komplexität höchsten Ansprüchen genügt und das Publikum drei Stunden lang in Staunen und Begeisterung versetzt. Nach dem Musical „Chess“ hat es Kuntze wieder geschafft, eine Einheit von Ausstattungspracht, raffiniertem Bühnengeschehen mit Solisten, Chor und Ballett und musikalischem Glanz auf die Bühne zu bringen, die Maßstäbe setzt.... Und er hat mit dem Amerikaner Randy Diamond und Eve Rades – „dem Mädchen aus Ostberlin“ in Udo Lindenbergs Berliner Musical – zwei renommierte Kräfte gewonnen, die mit den vielen fabelhaft agierenden Sängerinnen und Sängern aus dem eigenen Ensemble und mit dem Ballett der Aufführung das Gepräge geben.... Diese Aufführung braucht keinen Vergleich mit solchen in den Musical-Zentren zu scheuen.

Manfred Hanich

Mediathek

© Fotos: Stefan Walzl (Die Fotos können für redaktionelle Zwecke und Berichterstattung zum betreffenden Stück honorarfrei genutzt werden. Der/die Fotograf/in muss stets genannt werden.)